Karl I. von Habsburg-Lothringen (Persenbeug, 17. August 1887 – Funchal, 1. April 1922) war der letzte Kaiser von Österreich und König von Ungarn (als Karl IV.), der letzte Herrscher des Hauses Habsburg-Lothringen an der Spitze der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Seine kurze Regierungszeit von November 1916 bis November 1918 fiel mit der Schlussphase des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch des Reiches zusammen.
Als Großneffe Kaiser Franz Josephs I. wurde Karl unter dramatischen Umständen zum Thronfolger: Die Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo am 28. Juni 1914 rückte ihn in die direkte Thronfolge. Nach dem Tod Franz Josephs am 21. November 1916 bestieg Karl den Thron und erbte ein Reich im Krieg, das von immer tieferen nationalen Spannungen durchzogen war.
Karl I. und Triest
Die Verbindung zwischen Karl I. und Triest konzentriert sich auf die dramatischen letzten Monate des Reiches. Triest war der wichtigste Hafen Österreich-Ungarns, der einzige direkte Zugang zum Mittelmeer, und lag während des Großen Krieges weniger als dreißig Kilometer von der Isonzofront entfernt — faktisch eine Stadt unter Belagerung.
Am 2. Juni 1917, mitten in der Zehnten Isonzoschlacht, besuchte Karl I. Triest und die Karstfront. Der Kaiser wurde auf der Piazza Grande (heute Piazza Unità d'Italia) fotografiert, und die Aufnahmen des Besuchs werden im Stadtarchiv der Gemeinde Triest aufbewahrt. Zeitgenössische Filmaufnahmen dokumentieren den Durchzug des Herrschers durch Postojna, Sežana und Triest. Gerade während seiner Anwesenheit in der Stadt warf ein italienisches Flugzeug eine Bombe in der Nähe des Canal Grande ab, wobei eine Frau und ein Kind getötet wurden — ein greifbares Zeichen der Nähe des Konflikts.
Friedensversuche und die Weigerung, Triest abzutreten
Bereits 1917 leitete Karl I. über seine Schwäger Sixtus und Xavier von Bourbon-Parma geheime Friedensverhandlungen mit Frankreich und Großbritannien ein (die sogenannten Sixtus-Briefe). Italiens Außenminister Sidney Sonnino stellte als unverhandelbare Bedingung die Abtretung von Triest und Istrien an Italien. Karl I. weigerte sich kategorisch, Triest abzutreten, und dies war einer der Hauptgründe für das Scheitern der Verhandlungen. Die Affäre wurde im April 1918 öffentlich, als Clemenceau die eigenhändigen Briefe des Kaisers veröffentlichte und eine schwere diplomatische Krise auslöste.
Das Völkermanifest und der Untergang
Am 16. Oktober 1918 erließ Karl I. in einem letzten Versuch, das Reich zu retten, das Manifest an Meine getreuen österreichischen Völker, das die Umgestaltung des Reiches in einen Bundesstaat vorsah. Für Triest und sein Umland war eine besondere Stellung vorgesehen, ein eigenständiges Statut, das die Einzigartigkeit der Stadt anerkannte, ohne sie dem deutsch-österreichischen oder dem slawischen Block zuzuordnen.
Das Manifest kam zu spät. Am 3. November 1918 lief eine italienische Flotille in den Hafen von Triest ein, begeistert empfangen von der Menge, und beendete fast zwei Jahrhunderte habsburgischer Herrschaft. Am 11. November 1918 unterzeichnete Karl I. den Verzicht auf die Teilnahme an den Staatsgeschäften — ohne je das Wort „Abdankung" auszusprechen, da er seine dynastischen Rechte als bestehend betrachtete.
Exil und Seligsprechung
Zunächst in die Schweiz und nach zwei gescheiterten Restaurationsversuchen in Ungarn nach Madeira verbannt, starb Karl I. am 1. April 1922 in Funchal an einer Lungenentzündung, im Alter von nur 34 Jahren. Am 3. Oktober 2004 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen — der einzige moderne Herrscher, dem diese Ehre zuteilwurde.
Mit Karl I. endete die habsburgische Ära Triests endgültig. Seine Gestalt steht für den letzten Akt einer jahrhundertealten Verbindung zwischen der Stadt und dem Haus Habsburg, die mit Karl VI. im Jahr 1719 begann und mit dem letzten Kaiser endete, der sich weigerte, den Hafen an der Adria aufzugeben.