Casa Leitenburg

Historische Karte - Trieste

Casa Leitenburg

Das zwischen 1887 und 1889 an der Ecke Via Giulia und Via Rossetti, nur wenige Schritte vom Giardino Pubblico entfernt, errichtete Haus de Leitenburg gilt weithin als eines der höchsten Ergebnisse im Werk von Ruggero Berlam — und in vieler Hinsicht als echter Wendepunkt der Triestiner Architektur des späten 19. Jahrhunderts.

Im Auftrag von Edoardo de Leitenburg erbaut, hob sich das Haus sofort im Stadtbild hervor, nicht nur durch die Qualität seiner Ausführung, sondern auch durch den kulturellen Anspruch, der ihm zugrunde lag.


Berlam und die Suche nach einem Stil

Der Werdegang Ruggero Berlams hilft, die Bedeutung des Gebäudes zu verstehen. Nach seinen ersten Studien an der Accademia di Venezia setzte er seine Ausbildung an der Accademia di Brera in Mailand fort, wo er Schüler von Camillo Boito war und zusammen mit Luca Beltrami und Luigi Broggi studierte. In Brera erhielt er auch den Gran Premio di Architettura.

Boito vertrat die Idee eines modernen, aber in der italienischen Tradition verwurzelten Stils — eines Stils, der sich auf die Vergangenheit beziehen konnte, ohne sie bloß zu kopieren. Diese Haltung prägte Berlam tief. Im Laufe seiner Karriere bezog er sich immer wieder auf die Gotik, auf die toskanische und umbrische Renaissance und stellenweise auch auf den venezianischen Kolorismus. Casa de Leitenburg ist eines der überzeugendsten Ergebnisse dieser Suche.


Ein Gebäude, das Maßstäbe setzte

Es ist kein Zufall, dass zahlreiche Forscher in diesem Haus einen entscheidenden Moment für die Stadt gesehen haben. Die Quelle bezeichnet es als das repräsentativste Werk, das Berlam ohne seinen Sohn Arduino schuf, und zugleich als jenes, das für die Triestiner Architektur am reichsten an Absichten und Weiterentwicklungen war.

Cornelio Budinich schrieb 1921, dass Berlam erst mit Casa de Leitenburg begann, eine echte Anziehungskraft auf die lokalen Künstler auszuüben und auch die jüngeren Energien mit sich zu ziehen. Auch Pietro Sticotti erkannte darin das Auftreten einer toskanisch-florentinischen Sensibilität in Triest — ein neues Signal im architektonischen Panorama der Stadt.


Das Projekt und das innere Leben des Hauses

Eine Notiz des städtischen Bauamtes vom 6. Juni 1887 dokumentiert die Genehmigung des Projekts samt einigen Vorgaben zur Harmonisierung der Fassade. Zu den interessantesten Details gehört die Ersetzung der bestehenden Ecklaterne durch eine eigens für das neue Gebäude entworfene künstlerische Laterne — ein kleines, aber aussagekräftiges Zeichen dafür, wie sehr Architektur im Verhältnis zum öffentlichen Raum gedacht wurde.

Der Grundriss sah zwei große Wohnungen pro Geschoss vor, während das Erdgeschoss Geschäfte und eine Apotheke beherbergte. Es handelte sich also um ein Haus, das Repräsentation, Wohnen und Geschäftstätigkeit miteinander verband — ganz im Sinne des wachsenden Triest der Jahrhundertwende.


Materialien, Gleichgewicht, Charakter

Besonders bewundert wurde das Gebäude für sein elegantes Gleichgewicht zwischen Terrakotta und Stein sowie für die außergewöhnliche Sorgfalt im Detail. Arduino Berlam erinnerte sich an seinen Vater als an einen beinahe besessenen Gestalter von Profilen und Gliederungen. In Casa de Leitenburg wird diese Haltung in einer Fassade sichtbar, in der maßvolle Reliefs, Öffnungen und geschlossene Flächen eine überraschende Harmonie schaffen — einen feinen Dialog zwischen Schwere und Leichtigkeit, zwischen Festigkeit und Anmut.

Gerade dieses Maß, mehr noch als jede Monumentalität, macht das Gebäude so einprägsam.


Eine bis heute zentrale Präsenz

Noch heute ist Casa de Leitenburg eines der deutlichsten Zeugnisse jener Zeit, in der Triest nach einer eigenen Architektursprache suchte — einer Sprache, die mit der italienischen Tradition in Dialog treten konnte, ohne auf einen modernen Blick zu verzichten. Mit diesem Haus schuf Berlam nicht nur ein elegantes Wohngebäude, sondern ein Modell, das den städtischen Geschmack in den folgenden Jahren mitprägen sollte.

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