Die Caserma Grande in Triest, im heutigen Bereich zwischen Via Carducci (früher Via del Torrente), Via Fabio Severo, Via Coroneo und Via Crociera, war über ein Jahrhundert lang eine der wichtigsten Militärstrukturen der Stadt.
Ursprünge: das Conservatorio Generale dei Poveri
Mit dem Wachstum der Bevölkerung nach dem Freihafen 1719 wurde die Krankenversorgung schnell unzureichend. Mit dem Patent vom 1. September 1769 erließ Kaiserin Maria Theresia das Dekret zum Bau des Conservatorio Generale dei Poveri (Allgemeines Armenkonservatorium).
Das Projekt wurde dem belgischen Ingenieur Jean Baptiste Hovyn anvertraut, obwohl die Zeichnungen von Antonio Montanelli stammten. Die geschätzten Kosten betrugen 70.000 Gulden, die laut Kandler weit überschritten wurden. Der Bau begann im Juni 1770 und das Konservatorium nahm 1772 den Betrieb auf.
Das zweistöckige Gebäude hatte einen quadratischen Grundriss mit einem großen Laubengang-Innenhof mit vier natürlichen Brunnen. Es bot Platz für 100 Findelkinder, 40 Kranke und 100 Arme. Hinter dem Gebäude befand sich ein botanischer Garten für Heilkräuter.
Umwandlung in eine Kaserne (1785)
Im April 1784 besichtigte Kaiser Josef II. — begleitet von Dr. Giovanni Alessandro Brambilla, seinem Leibarzt — das Konservatorium und beschloss, es in eine Kaserne umzuwandeln. 1785 begannen die Umbauarbeiten. Beim Aushub für den Kasernenhof wurden zwei Grabinschriften und römische Artefakte gefunden, die heute im Lapidarium aufbewahrt werden.
Das Erste Militärkrankenhaus (1786–1789)
Zwischen 1786 und 1789 wurde das Erste Militärkrankenhaus mit 126 Betten errichtet, das bis 1868 in Betrieb blieb. Danach wurde es in das neue Militärkrankenhaus in der Via Fabio Severo verlegt. Das Gebäude wurde ab 1875 zur Infanterie-Kadettenschule (K.u.K. Infanterie Cadettenschule).
Erweiterungen
1820 spendete die Gemeinde angrenzendes Land für die Erweiterung des Kasernenhofs, der für Übungen, Wagenrennen, Reitshows und Ballonfahrten genutzt wurde. Hinter der Kaserne entstand der „Piazza del Fieno" (Heumarkt). 1883 wurde das 97. Infanterieregiment dauerhaft hier stationiert.
Die Militärkapelle und religiöse Funktionen
Mit dem Bau der Kirche San Vincenzo de' Paoli (ab 1890) marschierte die Garnison zu jedem Feiertag dorthin. An der Spitze stand die Militärkapelle mit ihrer Trommel auf dem Rücken eines kleinen weißen Pferdes vor dem Kirchenportal.
Der Märtyrertod von Guglielmo Oberdan
Am 20. Dezember 1882 wurde der Triestiner Patriot Guglielmo Oberdan im Kasernen-Innenhof gehängt. 1918 wurde die Kaserne nach ihm benannt.
Niedergang und Abriss
Am 15. Mai 1927 verließen die letzten Soldaten die Kaserne — eine bewaffnete Wache der Zelle Oberdans. Sie wurden durch Stadtpolizisten ersetzt. 1927 begannen die Abrissarbeiten, die dem heutigen Piazza Guglielmo Oberdan Platz machten.