Palazzo Dettelbach

Historische Karte - Trieste

Palazzo Dettelbach

Der Palazzo Dettelbach, auch als Palazzo Greinitz bekannt, erhebt sich am Corso von Triest als eines der beredetsten Beispiele großbürgerlicher Wohnarchitektur der Belle Époque: acht Geschosse über dem Erdgeschoss, mehr als dreiunddreißig Meter Höhe, eine Fassade, die klassische Strenge mit dem dekorativen Schwung des Jugendstils vereint. Hinter seiner eleganten Gefasstheit verbirgt sich indes eine lange und bewegte Geschichte — geprägt von habsburgischer Bürokratie, verworfenen Entwürfen und überraschenden archäologischen Funden.

Eine siebenjährige Entstehungsgeschichte

Alles begann im Jahr 1904, als das Österreichische Credit-Institut — die Creditanstalt — die Gemeinde Triest um die Regulierung des Straßenverlaufs des Corso Italia bat. Im folgenden Jahr wurden die Baufluchtlinien neu festgelegt: Der Eigentümer musste einen Teil seines Grundstücks abtreten, um die Straße zu verbreitern. Ein Opfer, das die Grenzen des künftigen Gebäudes von vornherein bestimmen sollte. Das bestehende Gebäude wurde um August 1906 abgerissen, sodass das Grundstück frei, jedoch noch ohne endgültigen Entwurf blieb.

Im Jahr 1908 trat die Società per azioni Greinitz auf den Plan — ein im Eisenwarenhandel tätiges Unternehmen —, das das Projekt übernahm und beschloss, ein modernes Gebäude für gemischte Wohn- und Gewerbenutzung zu errichten. Ihr Präsident, Hans Dettelbach, stellte am 8. April 1909 formell den Bauantrag. Das städtische Technische Amt zeigte sich jedoch wenig entgegenkommend: Der Entwurf wurde gleich zweimal abgelehnt, bevor er am 21. September 1909 schließlich genehmigt wurde. Sieben Jahre lagen zwischen den ersten bürokratischen Verhandlungen und dem endlich genehmigten Bauvorhaben.

Die Fassade, die nie war

Es gibt ein Detail, das lange im Verborgenen blieb und dem Palazzo eine geradezu romantische Dimension verleiht: Die ursprüngliche Fassade stammte nicht von Giacomo Zammattio, dem Architekten, den man heute allgemein mit dem Gebäude verbindet, sondern von Professor Enrico Nordio, einer herausragenden Persönlichkeit der Triestiner Architektur des späten 19. Jahrhunderts, bereits Schöpfer des Creditanstalt-Gebäudes an der Piazza Nuova. Nordio war es, der den ersten Entwurf für die Straßenfront zum Corso Italia erarbeitete. Doch die engen, von der Bürokratie auferlegten Fristen und die Notwendigkeit, ohne weitere Verzögerungen mit den Arbeiten zu beginnen, zwangen Dettelbach, diesen Entwurf aufzugeben. Zammattio übernahm und hinterließ seinen endgültigen Stempel am Gebäude. Nordios Fassade blieb auf dem Papier: eines der vielen „Hätte sein können", die die Geschichte der Stadtarchitektur durchziehen.

Unter den Fundamenten: Rom

Die Aushubarbeiten begannen im Herbst 1909, und am 11. Dezember waren die Fundamente bereits fertiggestellt. Doch im Untergrund des Corsos verbarg sich etwas Unerwartetes: Während der Ausgrabungen kamen Funde aus römischer Zeit zutage — vermutlich die Überreste eines Kultgebäudes. Alberto Puschi, Direktor des Antikenmuseums, erschien an Ort und Stelle und beaufsichtigte die Bergung der Fundstücke. Es war in Triest nicht ungewöhnlich, dass Bauarbeiten des 20. Jahrhunderts auf die Schichten des antiken Tergeste stießen; doch die Episode erinnert daran, dass jeder Stein dieser Stadt buchstäblich auf Jahrhunderten der Geschichte ruht.

Die Architektur: Klassizismus und Jugendstil im Dialog

Der Palazzo, den Zammattio der Stadt übergab — der Bewohnbarkeitsschein trägt das Datum des 2. September 1911 — folgt einem klar definierten Funktionsschema. Erdgeschoss und Mezzanin sind dem Handel und den Büros vorbehalten; die oberen Etagen dem Wohnen. Die beiden Bereiche werden optisch durch ein vorspringendes Gesims auf Kragsteinen (Modillionen) getrennt, das gleichsam als nobles Sockelgeschoss die Wohnzone über den Straßenlärm erhebt.

Das Erdgeschoss öffnet sich zur Straße hin mit einer Loggia, die durch große Rundbogenarkaden gegliedert ist — ein Motiv, das Zammattio in abgemilderter Form in den Fenstern des obersten Geschosses wieder aufgreift und damit einen vertikalen architektonischen Reim zwischen Basis und Abschluss schafft. An den Ecken werden Pilaster von Kapitellen bekrönt, in denen sich Akanthusblätter und habsburgische Kaiseradler verflechten: eine dezente, aber deutliche Huldigung an die Monarchie, die Triest noch beherrschte.

Die strukturelle Gefasstheit wird durch die malerischen Dekorationen von Pietro Lucano belebt, im Geist des Secessionismus und mit floralem Charakter: ein Repertoire aus Blumen, Blättern und Flechtwerk, das mit der dem Jugendstil eigenen Leichtigkeit über die Fassadenfläche gleitet. In diesem Gleichgewicht — zwischen der Solidität historischer Ordnungen und der ornamentalen Freiheit des neuen Stils — liegt der besondere Charakter Zammattios: eines Architekten, der mehrere Sprachen zu sprechen vermochte, ohne dabei seine eigene Stimme zu verlieren.

Das imperiale Triest, Stein für Stein

Der Palazzo Dettelbach entstand in den letzten Glanzjahren des Österreichisch-Ungarischen Reiches, als Triest der bedeutendste Hafen der Monarchie war und sein Handelsbürgertum Paläste als Bekenntnisse zum Glauben an die Zukunft errichtete. Diese Zukunft sollte sich als sehr kurz erweisen: 1918 verschwand das Kaiserreich von der Landkarte. Doch der imperiale Adler auf den Kapitellen ist noch immer dort, unbeweglich an der Fassade des Corso, als Mahnmal einer Stadt, die für einige Jahrzehnte eines der Kreuzwege der Welt war.

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