Pietro Paolo Kandler (Triest, 23. Mai 1804 – Triest, 18. Januar 1872) war ein italienischer Historiker, Archäologe und Jurist schottischer Herkunft und gilt als eine der führenden Persönlichkeiten der Kultur von Triest im 19. Jahrhundert.
Frühes Leben und Ausbildung
Geboren in Triest aus einer im 17. Jahrhundert aus Wien zugewanderten Familie (ursprünglicher Nachname Chandler), verbrachte Kandler seine Jugend zwischen Triest und Capodistria, besuchte das Gymnasium und schloss 1826 sein Jurastudium in Pavia ab, nachdem er auch in Wien studiert hatte. Er war mehrsprachig, bevorzugte jedoch das Schreiben in Italienisch.
Sein Werk ist stark von den Ideen der Aufklärung geprägt, insbesondere inspiriert durch die Reformen während der französischen Besatzung von Triest.
Berufliche Laufbahn
Ab 1826 arbeitete er als Anwalt im Büro von Domenico Rossetti De Scander, wo er lokale Statuten und Geschichte studierte. Nach Rossettis Tod wurde er Rechtsanwalt der Gemeinde Triest.
1856 wurde er zum Konservator der Denkmäler der Österreichischen Küstenländer ernannt, eine einzigartige Funktion für die Provinzen Triest und Görz, die das Engagement für den Schutz des Kulturerbes jener Zeit widerspiegelt.
Archäologische und Historische Beiträge
Er spielte eine Schlüsselrolle bei der Sammlung und Veröffentlichung von Epigraphen und römischen Altertümern in der nordadräischen Region, einschließlich detaillierter Studien zu römischen Ziegeln, die Theodor Mommsen für sein Corpus Inscriptionum Latinarum nutzte.
Wichtigste Werke
Zu seinen wichtigsten Werken zählen:
- Der Codice diplomatico istriano (1847), ein sechs Bände umfassender Katalog von Statuten istrischer Städte wie Parenzo, Rovigno und Cittanova;
- Die Geschichte des Patrizierrats von Triest (1858), die die Geschichte des städtischen Adels darstellt.
Er redigierte auch die Zeitschrift «Istria» (1846-1851), die für das Studium der zivilen, militärischen, künstlerischen und religiösen Geschichte Istriens von Bedeutung ist.
Kulturelles Erbe
Kandler veröffentlichte auch unter den Pseudonymen Giusto Traiber und Giovannina Bandelli. Sein kulturelles Erbe ist zentral für das Studium und die Förderung der lokalen Geschichte von Triest und Istrien und brachte ihm die Anerkennung als „Begründer der istrischen Geschichte“ ein.