Scorcola

Historische Karte - Trieste

Scorcola

Scorcola ist ein Hügelstadtteil von Triest, dessen Hügel sich nahezu gegenüber dem Hügel von San Giusto — dem historischen Hügel der Stadt — erhebt, getrennt durch ein tiefes Tal. Aufgrund seiner dominanten Lage spielte Scorcola in der Geschichte Triests immer eine strategische Rolle, von der Antike bis zum Zweiten Weltkrieg.


Der Name: vom ostgotischen Wachposten

Der Name "Scorcola" leitet sich vom alten ostgotischen Wort "skulka" ab, das "Wachposten" oder "Späher" bedeutet. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte er sich: zuerst zu Obscurcula, dann Sculcula, und schließlich zum heutigen Scorcola. Ein Name, der bereits alles über die ursprüngliche Funktion des Hügels verrät: ein Ort, von dem aus man beobachtet, überwacht und verteidigt.


Geologische und prähistorische Ursprünge

Vor etwa 50 Millionen Jahren war die Gegend ein Schlammrutsch in einem warmen Meer. Dies belegt der Fund von rund hundert fossilisierten Quallenabdrücken im Jahr 1978 an einem Steinbruch der Villa Giulia.


Römische Epoche

Bei den Ausgrabungen von 1902 für den Straßenbahnbau wurden die Reste einer Villa aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. und eine beschädigte Statue gefunden. Weitere augusteische Funde — Grabsteine und ein Kriegstrophäe — wurden am Fuß des Hügels entdeckt.


Mittelalter: das venezianische Lager von 1280

Beim Belagerung Triests im Jahr 1280 errichteten venezianische Truppen ein befestigtes Feldlager auf dem Hügel, das die Triestiner spöttisch "sempre Vinegia" nannten. Das Lager wurde später von triestinischen Truppen mit Unterstützung des Patriarchen Raimondo della Torre zerstört.


Landleben und Osmizze

Bis zum frühen 19. Jahrhundert war Scorcola überwiegend ländlich geprägt: Felder, Weiden, Weinreben, Kastanien- und Eichenwälder. Lokale Familien wie die Turk und die Bencic betrieben Osmizze zur Degustation lokaler Weine.

1777 ließ Gouverneur Karl von Zinzendorf die Handelsstraße nach Opicina anlegen — die heutige Via Commerciale — was das Schicksal des Hügels veränderte.


Die Villen und das Castelletto Geiringer

Das berühmteste Gebäude ist das Castelletto Geiringer, 1896 von Ingenieur Eugenio Geiringer im neogotischen Stil am höchsten Punkt des Hügels erbaut. Geiringer war auch einer der Initiatoren der Straßenbahn nach Opicina (1902): Der Legende nach berechnete er die außergewöhnliche Steigung der ersten Strecke so, dass sie direkt zu seinem Haus führte.


Zweiter Weltkrieg: die "Kleine Berlin"

Während der deutschen Besatzung (1943–1945) wurde Scorcola so strategisch wichtig, dass es "Kleine Berlin" genannt wurde. Deutsche Militärkommandos beschlagnahmten ganze Villen, darunter Villa Ara, Villa Weiss und das Castelletto Geiringer (Wehrmacht-Kommando). Der Hügel verbirgt noch heute ein weitverzweigtes Tunnelnetz: Gänge, Bunker und Luftschutzkeller, die zwischen der Via Romagna, Via Cantù und anderen Punkten des Viertels verbunden sind.

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