Tinza und Marianza waren zwei weibliche Statuen aus Bronze (oder Zink, laut einigen Quellen), die den Haupteingang des Rathauses von Triest an der Piazza dell'Unità d'Italia (ehemals Piazza Grande) schmückten.
1. Ursprung und Entstehung
- Jahr der Installation: 1876
- Autor: Fausto Asteo aus Ceneda (Vittorio Veneto), derselbe Künstler, der die berühmten "Mohren" des Uhrturms, Mikeze und Jakeze, schuf
- Funktion: Sie waren Fackelträgerinnen, geschaffen mit sowohl ornamentalem als auch funktionalem Zweck: Sie hielten die Laternen, die den Rathauseingang beleuchteten
2. Merkmale und Symbolik
- Evolution der Beleuchtung: Anfangs hielten sie schmiedeeiserne Laternen, die mit Petroleum befeuert wurden, später ersetzt durch Opalglas-Kugeln mit dem Aufkommen von Gas und Elektrizität
- Die Verbindung mit den "Mohren": Die Triestiner Volksphantasie adoptierte sie sofort, benannte sie in Tinza und Marianza um und betrachtete sie als die Ehefrauen von Mikeze und Jakeze
- Etymologie: Die Namen sind "slawisierte" Dialekt-Diminutive (typisch für das multiethnische Triest jener Epoche) von gebräuchlichen Namen wie Clementina/Martina und Maria
3. Präsenz in der Populärkultur
Die beiden Statuen wurden zu Ikonen des Stadtlebens, erwähnt in Liedern und Reimen, die ihre privilegierte Position am Eingang des Palastes beschrieben:
"E Tinza e Marianza le sta sul porton / a veder le siore che vien del liston"
(Oder: "a veder i cici che vendi carbon")
4. Das mysteriöse Verschwinden
Im Gegensatz zu Mikeze und Jakeze (deren Originalstatuen im Schloss San Giusto aufbewahrt werden) sind Tinza und Marianza verloren gegangen.
- Datum der Entfernung: Die Quellen nennen unterschiedliche Daten, schwankend zwischen 1934, 1935 und 1936
- Ursache: Die meist anerkannte Version berichtet, dass eine der beiden Statuen von einem schweren Fahrzeug (einem Lastwagen oder, laut einigen Legenden, einem Panzer) bei einem falschen Manöver getroffen und zerstört wurde
- Endgültiges Schicksal: Nach dem Unfall wurden beide Statuen entfernt. Die überlebende Statue wurde in die städtischen Lagerhäuser gebracht, aber seitdem haben sich alle Spuren verloren. Neuere Suchen in den Lagerhäusern der Stadt haben keine Ergebnisse gebracht, und der Bürgermeister von Triest erklärte in der Vergangenheit, dass die Statuen seit den frühen 1900er Jahren nicht in den Lagerhäusern vorhanden sind (ein Datum, das jedoch den fotografischen Zeugnissen aus den 1930er Jahren widerspricht)
5. Verwechslung und falsche Identifizierungen
Aufgrund ihrer langen Abwesenheit haben die Bürger oft fälschlicherweise andere Statuen als "Tinza und Marianza" identifiziert, wie zum Beispiel:
- Die weiblichen Figuren in den Nischen unter dem Uhrturm
- Die Statuen der Klugheit und Stärke am Palazzo della Borsa Vecchia
Jedoch bleiben die echten Tinza und Marianza bis heute ein verlorenes Erbe der Stadt.