Das Caffè Tommaseo ist das älteste noch in Betrieb befindliche Café in Trieste und eines der prestigeträchtigsten historischen Lokale in Italien. Es liegt in der piazza Niccolò Tommaseo, mit Blick auf die Seepromenade des Borgo Teresiano, und stellt seit fast zwei Jahrhunderten einen Referenzpunkt für das kulturelle, soziale und politische Leben der Stadt dar.
Ursprünge und Architektur
Der Palast, in dem das Caffè Tommaseo untergebracht ist, wurde im 1824 auf Initiative der mantuanischen Kaufleute Felice und Vitale Vivante gebaut, die den Entwurf dem triestinischen Architekten Antonio Buttazzoni anvertrauten. Im 1830 eröffnete der Paduaner Tomaso Marcato im Erdgeschoss das „Caffè Tomaso“, das er mit:
- aus Belgien importierten Spiegeln
- Stühlen des Schreiners Michael Thonet
- Wanddekorationen des friaulischen Malers Giuseppe Gatteri bereicherte.
Das Café wurde sofort zu einem Treffpunkt für Händler, Künstler und Intellektuelle und beherbergte:
- Konzerte
- Kunstausstellungen
- musikalische Abende mit dem Orchester des städtischen Theaters und der Stadtband
Ein Zentrum des Risorgimento und des Irredentismus
Im 1848, in vollem risorgimentalem Klima, wurde das Lokal zu Ehren des Schriftstellers und dalmatinischen Patrioten Niccolò Tommaseo in Caffè Tommaseo umbenannt. In jenen Jahren wurde das Café zu einem wahren Zentrum der nationalen Bewegung und des triestinischen Irredentismus, wie eine Gedenktafel erinnert: „Da questo Caffè Tommaseo, nel 1848, centro del movimento nazionale, si diffuse la fiamma degli entusiasmi per la libertà italiana“.
Nach der Hinrichtung von Guglielmo Oberdan im Jahr 1882 kehrte das Lokal aus Furcht vor den österreichisch-ungarischen Behörden vorübergehend zum ursprünglichen Namen „Caffè Tomaso“ zurück, um dann 1918 mit der Ankunft der italienischen Truppen in Trieste endgültig den Namen Tommaseo wieder anzunehmen.
Innovation und Tradition
Das Caffè Tommaseo war eines der ersten triestinischen Lokale, das das Eis in die Gastronomie einführte und bereits im 1844 eine Gasbeleuchtung installierte, was einen Wendepunkt im Angebot und in der Atmosphäre der Stadt darstellte.
Im Laufe der Jahre hat das Lokal es geschafft, seine Atmosphäre des 19. Jahrhunderts intakt zu erhalten, auch dank der Renovierungen:
- zwischen 1984 und 1986
- 1997
die die originalen Dekorationen und den Abdruck der wienerischen Kaffeekultur bewahrt haben.
Treffpunkt von Intellektuellen und Künstlern
Das Caffè Tommaseo wurde von einigen der illustresten Persönlichkeiten der triestinischen und internationalen Kultur frequentiert, darunter:
- Italo Svevo, der dort einige seiner Werke schrieb
- Umberto Saba
- Giani Stuparich
- Domenico Rossetti
- Pietro Kandler
- Virgilio Giotti
- Pier Antonio Quarantotti Gambini
- Claudio Magris
Das Café hat Kunstausstellungen, Konzerte, literarische Debatten beherbergt und ist noch heute ein Referenzpunkt für das kulturelle Leben der Stadt.
Historisches Monument und Aktualität
Am 7. April 1954 wurde das Caffè Tommaseo offiziell zum historischen und künstlerischen Monument erklärt, wodurch sein Wert für das kollektive Gedächtnis von Trieste anerkannt wurde.
Heute bietet das renovierte und nach der Tradition der wienerischen Cafés geführte Lokal:
- Konditorei
- Kaffeestube
- Restaurant
- Räume für kulturelle Veranstaltungen
und hält seine Berufung als „städtischer Salon“ und Treffpunkt zwischen Vergangenheit und Gegenwart lebendig.
So bleibt das Caffè Tommaseo ein Symbol des kosmopolitischen Trieste, Kreuzung von Kulturen, Ideen und Geschichten, und ist weiterhin einer der beliebtesten und repräsentativsten Orte der Stadt.