Die Architekten des 19. Jahrhunderts in Triest: Wer die Stadt erbaute, die wir heute sehen
Von Matteo Pertsch bis Pietro Nobile, von der Berlam-Dynastie bis Enrico Nordio: die Protagonisten, die einen Habsburger Hafen in das architektonische Juwel verwandelten, das wir heute durchschreiten.
Wenn wir den Blick über die Schaufenster und Cafémarkisen hinaus heben, erzählen die Gebäude von Triest eine Geschichte, die kein Reiseführer ganz einfangen kann. Die Stadt, die wir heute sehen — die neoklassizistischen Kolonnaden, die eklektischen Palazzi, die monumentalen Fassaden entlang der Uferpromenade — entstand nicht allein durch kaiserlichen Erlass. Sie wurde Stein für Stein von einer Handvoll Architekten geformt, die aus ganz Europa kamen und hier eine leere Leinwand fanden: eine Hafenstadt in rasanter Expansion, getragen vom Reichtum ihrer kosmopolitischen Kaufmannsschicht.
Dies ist die Geschichte der Architekten des 19. Jahrhunderts in Triest: der Männer, die den Ambitionen einer ganzen Epoche physische Gestalt gaben.
Der historische Kontext: Triest vom Fischerdorf zum habsburgischen Emporium
Um zu verstehen, wer Triest erbaut hat, müssen wir zunächst verstehen, warum es erbaut werden musste. Im frühen 18. Jahrhundert war die Stadt eine bescheidene Siedlung mit etwa 4.000 Einwohnern. Dann kamen die Reformen von Kaiserin Maria Theresia, die Zollbefreiungen auf die gesamte Stadt ausdehnte und sie zum Freihafen erklärte. Das Toleranzedikt garantierte Religions- und Handelsfreiheit und zog Wellen von Einwanderern an — Griechen, Serben, Juden, Armenier, Schweizer, Italiener — die die Bevölkerung bis Ende des 19. Jahrhunderts auf fast 200.000 anwachsen ließen.
Die alten mittelalterlichen Mauern wurden abgerissen, die antiken Salzpfannen trockengelegt, und auf dem gewonnenen Land entstand ein neues Viertel: das Borgo Teresiano, ein geordnetes Straßenraster nach rationalen Aufklärungsprinzipien. Dieses neue Quartier brauchte neue Gebäude — und diese Gebäude brauchten Architekten.
Die Auftraggeber waren keine Aristokraten, sondern Kaufleute, Reeder, Bankiers und Versicherer: die Carciottis, die Gopcevichs, die Morpurgos, die Familien hinter Generali und RAS. Sie wollten eine Architektur, die ihren Erfolg der Welt verkündete.
Matteo Pertsch und der Triumph des Neoklassizismus
Der erste große Name ist Matteo Pertsch (1769–1834), geboren in Buchhorn am Bodensee. Ausgebildet an der Accademia di Brera in Mailand unter Pietro Taglioretti und Giocondo Albertolli, verinnerlichte Pertsch die strenge neoklassizistische Formensprache, die seine gesamte Karriere prägen sollte.
1797 lud ihn der griechische Kaufmann Demetrio Carciotti nach Triest ein, um einen Palast zu entwerfen, der seinem kommerziellen Reichtum würdig wäre. Das Ergebnis war der Palazzo Carciotti, zwischen 1797 und 1805 an der Meerfront des Borgo Teresiano errichtet: ein ganzer Häuserblock mit einer hexastylen ionischen Portikus, einer Kuppel und allegorischen Skulpturen von Antonio Bosa auf der Dachbalustrade.
Der Erfolg setzte sich fort: 1799 beauftragte die österreichische Regierung Pertsch, den venezianischen Architekten Gianantonio Selva am Teatro Nuovo — dem heutigen Teatro Verdi — zu ersetzen. Die Rotonda Pancera (1803–1805), für Magistrat Domenico de Pancera erbaut, bewies sein Genie auf einem schwierigen Grundstück.
Als Pertsch 1834 starb, hinterließ er nicht nur Gebäude, sondern eine ganze Architekturschule.
Pietro Nobile: Triestiner Neoklassizismus am Kaiserhof
Pietro Nobile (1776–1854), geboren in Campestro im Schweizer Kanton Tessin, folgte seinem Vater — einem Baumeister — als junger Mann nach Triest. Nach Studien in Rom, wo er eine enge Freundschaft mit dem Bildhauer Antonio Canova schloss, stieg er in der Triestiner Bauverwaltung auf. Während der französischen Besatzung (1809–1813) wurde er zum Chefingenieur für das Illyrische Küstenland ernannt.
Sein Meisterwerk in Triest ist die Kirche Sant'Antonio Nuovo, erbaut zwischen 1823 und 1849 am Kopfende des Canal Grande. Mit ihren sechs ionischen Säulen und der vom römischen Pantheon inspirierten Kuppel bildet die Kirche den monumentalen Blickfang des gesamten Borgo Teresiano.
1818 wurde Nobile als Hofrat Kaiser Franz I. nach Wien berufen und zum Direktor der Architekturschule an der Akademie der bildenden Künste ernannt. Dort entwarf er das Burgtor (1820–1824) und den Theseustempel (1820–1823). Er war zugleich leidenschaftlicher Archäologe und führte Ausgrabungen in Aquileia, Pola und ganz Istrien durch.
Die Berlam-Dynastie: vom Eklektizismus zum Modernismus
Um die Jahrhundertmitte verlagerten sich die architektonischen Vorlieben. Die Familie Berlam — drei Generationen von Architekten — verkörperte diesen Wandel am besten.
Giovanni Andrea Berlam (1823–1892), levantinischer Herkunft, studierte an der Akademie in Venedig und am Wiener Polytechnikum (1841–1845). Sein bekanntestes Werk ist der Palazzo Gopcevich (1850–1851), im Auftrag des serbischen Bankiers Spiridione Gopcevich: ein polychromes Fest des Eklektizismus.
Giovanni Andrea war mehr als Architekt: 1866 gründete er die Associazione triestina per le arti e l'industria mit, förderte die Banca popolare di Trieste (1868) und Arbeiterwohnungsprojekte (1871).
Sein Sohn Ruggero Berlam (1854–1920) studierte an der Brera-Akademie in Mailand bei Camillo Boito. Zusammen mit seinem eigenen Sohn Arduino schuf Ruggero einige der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt:
- Die Scala dei Giganti (1905)
- Die Synagoge von Triest (1906–1912), eine der größten Europas
- Den RAS-Palast (1908–1914)
Enrico Nordio und das monumentale Gesicht des späten 19. Jahrhunderts
Enrico Nordio (1851–1923) kehrte 1887 nach Triest zurück und wurde rasch zum prominentesten Architekten für öffentliche Aufträge. In einem einzigen Jahr — 1891 — entwarf er sowohl den Palazzo della Cassa di Risparmio als auch das Rathaus in nüchternem Renaissance-Stil. Sein ambitioniertestes Projekt war der Justizpalast, konzipiert 1912 im monumentalen Maßstab; der Bau wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen.
Sein Sohn Umberto Nordio (1891–1971) setzte die Familientradition im 20. Jahrhundert fort und entwarf die Universität Triest.
Mäzenatentum und Stil: die Bourgeoisie, die die Architektur formte
Was Triests Architektur besonders macht, sind nicht nur die Architekten, sondern die Auftraggeber: griechische Reeder, jüdische Bankiers, serbische Händler, Schweizer Industrielle. Sie suchten Gebäude, die Nützlichkeit mit Dekor verbanden — rationale Grundrisse für den Handel, prestigeträchtige Fassaden für den Status.
Die stilistische Entwicklung ist im Straßenbild ablesbar:
- Neoklassizismus (Ende 1700 – Mitte 1800): Pertsch, Nobile — ionische Säulen, Istrischer Stein
- Eklektizismus (Mitte bis Ende 1800): Berlam, Nordio — venezianische Renaissance, polychrome Fassaden
- Späteklektizismus und Jugendstil (Jahrhundertwende): Ruggero Berlam, Max Fabiani — Wiener Einflüsse
Ein lebendiges Erbe: durch das monumentale Triest spazieren
Heute sind das Borgo Teresiano und die Rive ein Freilichtmuseum der Architektur des 19. Jahrhunderts. Durch Triest zu spazieren heißt, durch die gemeinsame Vision einer Handvoll Architekten und Mäzene zu spazieren: ein Hafen, der Hauptstadt werden wollte — und es beinahe geschafft hätte.