Die Vorstadtvillen von Triest: Das Bürgertum jenseits der Stadt
Auf den Hügeln und entlang der Küste von Triest errichteten Kaufleute, Reeder und habsburgische Aristokraten Villen, Parks und Gewächshäuser. Eine Reise durch die Residenzen des Bürgertums.
Als Kaiser Karl VI. 1719 Triest zum Freihafen erklärte, löste er eine Verwandlung aus, die binnen eines Jahrhunderts aus einer Randstadt eine der großen Handelsmetropolen des Habsburgerreichs machte. Der neue Reichtum brauchte eine Bühne, und diese Bühne war die Vorstadtvilla: Residenzen auf den Hügeln und an der Küste, wo Kaufleute, Reeder und Aristokraten ihren Erfolg fern vom Trubel des Hafens zur Schau stellen konnten.
Der Freihafen und der Aufstieg des Triester Bürgertums
Im Laufe des 18. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung Triests von etwa 5.000 auf 30.000 Einwohner. Das alte Patriziat verschwand, und Triest wurde, wie der Historiker Apih bemerkte, "als die bürgerlichste Stadt Österreichs" geboren. Eine kosmopolitische Gesellschaft von Händlern, Versicherern und Bankiers strebte danach, ihren Status durch prächtige Repräsentationsresidenzen zu bekräftigen.
Anders als ältere italienische Städte besaß Triest keine geerbte Kunsttradition. Seine Architekten waren Ausländer — der Deutsche Pertsch, der Venezianer Selva. Die Villa wurde zur Leinwand, auf der diese aufstrebende Klasse ihre Identität schrieb.
Die Hügel und die Küste als Orte der Muße
Die Südhänge des Scorcola, der Farneto (früher "Cacciatore") und der Stadtteil San Vito boten panoramische Ausblicke auf den Golf. Nach der Eröffnung der neuen Straße nach Opicina 1830 errichteten Elitefamilien prächtige Villen mit Parks, Gärten und großen Gewächshäusern für die Blumenzucht. An der Küste, Richtung Barcola, blickten weitere Residenzen aufs Meer.
- Scorcola: das eklektische Castelletto Geiringer
- Farneto / Cacciatore: das Anwesen Revoltella und das Ferdinandeo
- San Vito: Villa Lazarovich mit ihrem maurischen Türmchen
- Gretta und Barcola: die Villa Cosulich und das Russische Haus
Die Napoleoniden im Exil
Wenige erinnern sich, dass Triest nach Napoleons Sturz ein Zufluchtsort der Familie Bonaparte war. Caroline Bonaparte, Schwester des Kaisers und ehemalige Königin von Neapel, traf am 6. Juni 1815 unter dem Namen "Gräfin von Lipona" ein und ließ sich schließlich in der nach ihrem Ehenamen benannten Villa Murat nieder (heute zerstört).
In der Villa Necker, 1748 vom französischen Architekten Champion gestaltet, versammelte sich die europäische High Society. Hier wurde 1822 Joseph Napoleon Karl Bonaparte, genannt "Plon Plon", geboren, der später Clotilde von Savoyen heiratete.
Die Architekten der Vorstadtlandschaft
Die prägende Figur war Friedrich Hitzig, Berliner Architekt und Schinkel-Schüler, der sowohl den Stadtpalast als auch die Sommervilla Pasquale Revoltellas im eleganten Neorenaissance-Stil entwarf. Eine Generation später formte der Ingenieur-Architekt Eugenio Geiringer (1844–1904) ein Landhaus auf dem Scorcola zu einem neomittelalterlichen "Schlösschen" mit Zinnen und zwei Türmen um und entwarf zudem die 1902 eröffnete Opicina-Tram.
Natur und Kunst: Parks, Gewächshäuser und Botanik
Der Garten war so wichtig wie das Haus. In der Villa Lazarovich wohnte Erzherzog Maximilian von Habsburg ab Februar 1852 und kultivierte exotische Pflanzen, bevor er das Schloss Miramare baute. Geiringer pflanzte einen berühmten Kamelienhain für seine Frau Ortensia, während Revoltellas Gewächshäuser am Cacciatore-Hügel Ananas für seine üppigen Bankette zogen.
Die großen Dynastien und ihre Residenzen
Jede Villa ist auch das Porträt einer Familie.
- Villa Revoltella gehörte dem Baron und Mäzen Pasquale Revoltella (1795–1869), 1867 von Franz Joseph geadelt.
- Villa Sartorio war das Heim einer Kaufmannsdynastie aus Sanremo.
- Villa Cosulich ging 1920 an eine große Reederfamilie mit Interessen in Argentinien.
- Villa Economo beherbergte ab 1883 den Entdecker Sir Richard Francis Burton.
Vom Privaten zum Öffentlichen: das Schicksal im 20. Jahrhundert
Viele dieser Villen wurden der Stadt geschenkt. Revoltellas Palast wurde 1872 zur ersten öffentlichen Galerie für moderne Kunst in Italien; die Villa Sartorio öffnete 1954 als Stadtmuseum. Die Villa Geiringer beherbergt heute die Europäische Schule Triest. Andere, wie die Villa Cosulich, verfielen — ein Zeichen, dass der Glanz des habsburgischen Bürgertums ein Kapitel war, das sich schließlich schloss.