Birrificio Dreher in costruzione
Wirtschaft und Handel

Die Dreher-Dynastie und das Bier in Triest: Vom Habsburgerreich zur verlorenen Erinnerung

Die Dreher-Saga verknüpft die Erfindung des Wiener Lagerbiers, Triests erste Bierbrauerei und einen Palast, der zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Belle Époque wurde. Eine Geschichte von Innovation, Glanz und schmerzvollem Niedergang.

Die Geschichte der Familie Dreher und ihres Biers ist untrennbar mit der Geschichte von Triest selbst verbunden — eine Erzählung, die sich durch den Aufstieg der österreichisch-ungarischen Industrie, den Glanz der Belle Époque und den bitteren Nachgeschmack des Niedergangs im 20. Jahrhundert zieht. Die Ursprünge der Birra Dreher in Triest nachzuverfolgen bedeutet zu entdecken, wie eine schwäbische Brauerfamilie ein strauchelndes Hafenstadtunternehmen in eines der legendärsten Brauimperien Europas verwandelte.

Die Ursprünge der Dreher-Dynastie in Wien

Von Pfullendorf in die Kaiserstadt

Die Saga beginnt im Jahr 1760, als ein junger Mann namens Franz Anton Dreher seine Heimatstadt Pfullendorf in Schwaben verließ und nach Wien aufbrach. Nach Jahren als Bäckerlehrling und dann als Bierkellner gelang es ihm, 1773 eine kleine Brauerei in Oberlanzendorf zu pachten. Das anfangs bescheidene Unternehmen wuchs stetig. 1796 erwarb Dreher die historische Brauerei von Klein Schwechat am Rande Wiens für 19.000 Taler — ein Schritt, der den Grundstein für eine Dynastie legen sollte. Bis 1806 hatte er den Titel des Dekans der Wiener Braumeister erlangt.

Die Erfindung des Lagerbiers und der Aufstieg des Bierkönigs

Es war sein Sohn, Anton Eugen Dreher (1810–1863), der die Brauwelt revolutionieren sollte. Ausgebildet in München bei der legendären Brauerei Sedlmayr (Spaten) und in London bei Barclay and Perkins, verband Anton Eugen die besten bayerischen Untergärungstechniken mit österreichischem Unternehmergeist. Zwischen 1840 und 1841 entwickelte er das Schwechater Lagerbier — ein kupferfarbenes, untergäriges Bier, das kühle Temperaturen zur Reifung benötigte. Dieses Wiener Lagerbier eroberte die europäischen Gaumen und brachte ihm den Beinamen Bierkönig ein. Zum Zeitpunkt seines plötzlichen Todes am 26. Dezember 1863 wurde sein Vermögen auf acht bis zehn Millionen Gulden geschätzt.

Die Gründung der Fabrik in Triest (1865)

Ein unsicherer Anfang und Triests große Investoren

Die Idee, Triests erste Bierfabrik zu errichten, stammte von Carl Voelkner, einem einfallsreichen jungen Unternehmer aus Prag. Seine Begeisterung zog einige der mächtigsten Persönlichkeiten der Stadt an: Baron Pasquale Revoltella, Elio de Morpurgo (Direktor des Österreichischen Lloyd), Michele Sartorio (Mitbegründer der Assicurazioni Generali) und die Wiener Bank Rothschild. 1865 gründeten sie die „Prima Società per la Fabbrica di Birra".

Der Bau unter der Leitung des Architekten Giovanni Berlam ging mit bemerkenswerter Geschwindigkeit voran: Die Fabrik entstand in nur 230 Tagen, zwischen dem 29. Mai 1865 und dem 15. Januar 1866, auf einem wasserreichen Gelände — einer ehemaligen Gerberei — im Gebiet zwischen Rotonda del Boschetto, via Pindemonte, via dei Bonomo und via Giulia. Doch die frühen Ergebnisse waren enttäuschend: Die Qualität blieb hinter den Erwartungen zurück, die Verluste stiegen, und das Unternehmen wurde zum Verkauf angeboten.

Die Übernahme durch Dreher

Die strauchelnde Fabrik wurde von Anton Dreher übernommen, der in Triest — dem großen südlichen Hafen des Habsburgerreichs — das perfekte Tor für seine Biere zum adriatischen Markt sah. Er stoppte die Produktion, modernisierte die gesamte Anlage und startete sie neu. Innerhalb weniger Jahre hatte die Birra Dreher die Region erobert.

Technologische Innovationen unter Anton Dreher Jr.

Unter Carl Anton Dreher (1849–1921), bekannt als Anton Dreher Jr., wurde die Triester Fabrik zu einem Labor des industriellen Fortschritts. Die Anlage war die erste im gesamten österreichisch-ungarischen Reich, die Dampf als automatische Antriebskraft im Brauprozess einsetzte.

Noch revolutionärer war die Einführung der künstlichen Kühlung. Zwischen 1868 und 1877 installierte die Triester Fabrik ein hochmodernes Kompressorsystem des deutschen Ingenieurs Carl von Linde, das die Bierproduktion von den Zwängen des Wintereises befreite. Dieser Originalkompressor wird heute im Technischen Museum Wien aufbewahrt.

1897 ehrte Kaiser Franz Joseph Anton Dreher Jr. mit der Ernennung zum Ritterkommandeur des Kaiserlich-Österreichischen Ordens.

Palazzo Dreher und das gesellschaftliche Leben der Belle Époque

Eine architektonische Extravaganz im Stadtzentrum

Zwischen Januar und Februar 1907 erwarb die Firma Dreher Gebäude an der via San Nicolò und der via Cassa di Risparmio, nahe der Piazza della Borsa. Der Bau dauerte von 1908 bis 1910 und wurde von den Wiener Architekten Emil Bressler (1847–1921) und Gustav Wittrisch in einem üppigen eklektischen Stil entworfen.

Das Restaurant Borsa Vecchia

Am 1. April 1910 öffnete das Restaurant Borsa Vecchia seine Türen. In Il Piccolo als „das größte und feinste Lokal in Triest" beworben, konnte es 2.000 Gäste in 19 Speise- und Ballsälen beherbergen, gekrönt von einem amerikanischen Dachgarten mit Blick auf die Adria. Zwei Aufzüge bedienten die Gäste, dazu ein 200-kg-Bieraufzug und zwei 100-kg-Speiseaufzüge.

Die Dreher-Taverne in der Fabrik

In den 1920er und 1930er Jahren entstand im Kellergewölbe der Fabrik an der via Pindemonte die Birreria Dreher. In typisch mitteleuropäischer Atmosphäre standen die Gäste Schlange für einen Ein-Liter-Stiefel und die Hausspezialität, den Piatto Dreher: Aufschnitt, Würste und Sauerkraut, alles für fünf Lire.

Niedergang und Schließung

Der Erste Weltkrieg lähmte die Produktion. 1929 wurde die Fabrik an die Familie Luciani (Birra Pedavena) verkauft. Palazzo Dreher wurde 1926 erworben und von Architekt Gustavo Pulitzer-Finaly (1928–1929) zur neuen Borsa Valori e Merci umgebaut.

1945 erlitt das Hauptgebäude schwere Kriegsschäden. Dennoch erholte sich die Produktion — bis 1974 füllte die Anlage erstaunliche 500.000 Flaschen pro Tag ab. Im selben Jahr übernahm Heineken das Unternehmen. Nur zwei Jahre später, 1976, schloss die Fabrik endgültig. 1986 wurde der Industriekomplex fast vollständig abgerissen, um Platz für Wohnblocks und das Centro Commerciale Il Giulia (eröffnet 1991) zu schaffen.

Kulturelles und industrielles Erbe

Vom gewaltigen Dreher-Areal überlebt nur ein monumentales Gebäude: die ursprüngliche Fabrikstruktur an der via Giulia 75, entworfen von Giovanni Berlam und unter Denkmalschutz gestellt. Seit 2011 beherbergt es die Büros der Agenzia delle Entrate.

Palazzo Dreher besteht ebenfalls fort, heute Sitz der Camera di Commercio Venezia Giulia. Im Inneren befindet sich ein kleines Museo Commerciale, das die Wirtschaftsgeschichte Triests nachzeichnet — bedauerlicherweise seit Jahren geschlossen.

Die Geschichte der Dreher-Dynastie in Triest spiegelt die Entwicklung der Stadt selbst wider: vom kosmopolitischen Selbstvertrauen der österreichisch-ungarischen Ära, über die Umwälzungen der Kriege, bis zur spekulativen Logik der Deindustrialisierung des späten 20. Jahrhunderts. Wo einst der Duft von Hopfen ein ganzes Viertel erfüllte, bleiben heute nur ein orangefarbener Palast, einige alte Fotografien und der bleibende Geist eines Stiefels, erhoben in einem Gewölbekeller.

Aktualisiert am: