Canal Grande e Chiesa di San Spiridione
Persönlichkeiten und Kultur

Maria Theresia und Joseph II.: Wie Triest im 18. Jahrhundert erfunden wurde

Vom Freihafen Karls VI. zum Theresianischen und Josephinischen Viertel: Triests außergewöhnliche Verwandlung vom Grenzort zum kosmopolitischen Handelsplatz des Habsburgerreichs.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Triest eine bescheidene befestigte Siedlung mit kaum dreitausend Einwohnern, die sich um den Hügel von San Giusto drängte. Nichts an diesem verschlafenen Adriavorposten ließ die spektakuläre Verwandlung erahnen, die bevorstand. Innerhalb weniger Jahrzehnte sollten drei Habsburger Herrscher — Karl VI., Maria Theresia und Joseph II. — Triest in eine der dynamischsten Hafenstädte Europas verwandeln, ein kosmopolitisches Emporium, in dem griechische Kaufleute, serbische Händler, jüdische Finanziers und armenische Unternehmer nebeneinander lebten und beteten.

Karl VI. und das Wagnis des Freihafens

Die Geschichte beginnt nicht mit Maria Theresia, sondern mit ihrem Vater, Kaiser Karl VI. Im Jahr 1717 erließ er das Patent der freien Schifffahrt in der Adria und brach damit Venedigs jahrhundertealtes Seehandelsmonopol. Im darauffolgenden Jahr sicherte der Friede von Passarowitz (heute Požarevac) die südöstlichen Grenzen des Reiches. Mit offenen Seewegen und gesicherten Grenzen erklärte Karl VI. am 18. März 1719 Triest zum Freihafen — ein kühnes Wagnis auf eine Stadt, deren einzige offensichtliche Vorteile tiefe Häfen und eine strategische Lage am nördlichen Ende der Adria waren.

Das Wagnis zahlte sich rasch aus. Zur Erinnerung an seinen Besuch im Jahr 1728 errichtete die Stadt eine Säule auf der Piazza San Pietro (heute Piazza Unità d'Italia), zunächst mit einer hastig geschnitzten Holzstatue gekrönt. Die Steinsäule — mit dreiundvierzig Ochsen und siebzig Arbeitern aus Corgnale herangeschafft — erhielt ihre endgültige Skulptur des venezianischen Bildhauers Lorenzo Fanoli erst 1756. Der Kaiser blickt zur Altstadt und weist mit der Hand aufs Meer: eine Geste, die den neuen Kurs symbolisiert, den er Triest gab. Es ist das einzige Denkmal auf der Piazza Unità, das nie von seinem ursprünglichen Standort bewegt wurde.

Zwei Jahre nach seinem Besuch, 1730, enteignete Karl VI. die Salinen am Stadtrand — eine scheinbar technische Entscheidung, die buchstäblich den Boden für die städtebauliche Revolution seiner Tochter bereitete.

Die Regierungszeit Maria Theresias: Reformen und Infrastruktur

Als Maria Theresia 1740 den Thron bestieg, erbte sie ein Reich im Umbruch, aber auch eine Hafenstadt mit außergewöhnlichem Potenzial. In ihrer vierzigjährigen Regierungszeit verwandelte sie Triest von einem vielversprechenden Vorposten in ein vollwertiges Handelszentrum.

Ihre wichtigsten Maßnahmen für Triest umfassten:

  • Ausweitung der Freihafenprivilegien auf den gesamten Kameralbezirk (1747) und dann auf die ganze Stadt (1769) unter Abschaffung der inneren Zolllinien
  • Abriss der mittelalterlichen Stadtmauern, wodurch die alte Hügelsiedlung physisch mit den neuen Handelsvierteln verbunden wurde
  • Bau wesentlicher Infrastruktur: Lazarett, Waisenhaus, Trinkwasserleitung und Krankenhaus
  • Gründung der Nautischen Schule (1755), die eine neue Generation von Seeleuten und Kaufleuten ausbildete

Auf Reichsebene modernisierte Maria Theresia den Staat mit bemerkenswerter Energie: Sie führte den Grundkataster zur Besteuerung adeliger Güter ein, verfügte die Schulpflicht für beide Geschlechter bis zum zwölften Lebensjahr und schaffte — nach Veröffentlichung der Constitutio criminalis theresiana von 1769 — die Folter als Justizinstrument 1776 ab.

Das Borgo Teresiano: Eine moderne Stadt auf gewonnenen Salzfeldern

Das sichtbarste Erbe der Regierungszeit Maria Theresias ist das Borgo Teresiano, eines der ersten modern geplanten Stadtviertel Europas. Auf den trockengelegten Salinen errichtet, die Karl VI. enteignet hatte, wurde das Viertel in einem strengen orthogonalen Raster angelegt — ein rationales Schachbrettmuster, das entschieden mit dem mittelalterlichen Labyrinth auf dem Hügel darüber brach.

Die Planung wurde Johann Conrad de Gerhardt anvertraut, unter Aufsicht einer von Francesco Bonomo geleiteten Kommission. Später trugen berühmte Architekten wie Matteo Pertsch und Pietro Nobile zum verfeinerten neoklassizistischen Charakter des Viertels bei.

Die ingenieurtechnische Krönung des Viertels ist der Canal Grande, erbaut zwischen 1754 und 1756, um Handelsschiffen die direkte Einfahrt ins Herz des Geschäftsviertels zu ermöglichen. Waren konnten an den Türschwellen der den Kanal säumenden Lagerhäuser entladen werden — eine logistische Innovation, die Triests Hafenbetrieb bemerkenswert effizient machte.

Heute erstreckt sich das Borgo Teresiano zwischen Via Carducci, Corso Italia, dem Bahnhof und den Rive. Zu seinen Wahrzeichen gehören Piazza Ponterosso, die Kirche Sant'Antonio Nuovo und der eindrucksvolle Serbisch-Orthodoxe Tempel der Heiligen Dreifaltigkeit und des San Spiridione — eine greifbare Erinnerung an den religiösen Pluralismus, den Maria Theresia förderte.

Toleranz und Kosmopolitismus

Der Freihafenstatus wirkte wie ein Magnet. Triests Bevölkerung sprang von rund dreitausend zu Jahrhundertbeginn auf über zehntausend an dessen Ende und überschritt im 19. Jahrhundert die Zweihunderttausend. Die Steuerbefreiungen und Handelsprivilegien zogen Kaufleute aus dem gesamten Mittelmeerraum und dem Balkan an:

  • Griechen und Serben, die Kirchen bauten und florierende Handelshäuser gründeten
  • Jüdische Familien, die zu Finanz und Kultur beitrugen
  • Armenische und osmanische Kaufleute, die das Handelsnetz der Stadt bereicherten
  • Kroaten, Slowenen und Deutsche, die das Gewebe des Alltags bildeten

Unter den Habsburgern genossen diese Gemeinschaften Religionsfreiheit und gründeten eigene Kirchen, Tempel und Friedhöfe. Das Ergebnis war eine Stadt, deren Silhouette — akzentuiert von orthodoxen Kuppeln, katholischen Kirchtürmen, einer Synagoge und einer lutherischen Kirche — ihren Pluralismus in Stein und Kupfer verkündete.

Joseph II.: Radikale Reform und das Borgo Giuseppino

Joseph II., Maria Theresias ältester Sohn, regierte von 1780 bis 1790 und trieb die Aufklärungsagenda weiter voran, als seine Mutter es gewagt hatte. Seine Reformen waren umfassend: 1781 erließ er Dekrete zur Befreiung der Leibeigenen und zur Abschaffung feudaler Privilegien in Gebieten einschließlich der Görzer Landschaft. Er hob zahlreiche religiöse Orden auf, eine Politik mit direkten städtebaulichen Folgen in Triest.

Um Platz für ein neues Viertel südlich der Altstadt zu schaffen, ordnete Joseph II. den Abriss mehrerer Klöster an — der Kapuziner, der Misericorditi und der Minoriten — samt der alten Kirche der Madonna del Mare und des Friedhofs der Santi Martiri. Auf diesem geräumten Gelände nahm ab 1788 das Borgo Giuseppino Gestalt an, entworfen vom Architekten Domenico Corti nach denselben neoklassizistischen Grundsätzen, die das Theresianische Viertel prägten.

Das neue Viertel erstreckte sich jenseits der historischen Porta Cavana zum Lazzaretto di San Carlo. Um 1825 wurde die Küste aufgeschüttet, wodurch die Rive Grumula und Rive dei Pescatori entstanden. Der Mittelpunkt des Viertels — die Piazza Giuseppina (heute Piazza Venezia) — entwickelte sich als natürliche Erweiterung der neuen Kaianlage. Der Platz erhielt später zwei bemerkenswerte Wahrzeichen: den Palazzo Revoltella (1858), entworfen vom Berliner Architekten Friedrich Hitzing und Ingenieur Giuseppe Sforzi, sowie das Denkmal für Maximilian von Habsburg (1875) von Giovanni Schilling aus Dresden.

Zwei Städte in einer: Das in Stein geschriebene Erbe

Wer heute vom Bahnhof durch das Borgo Teresiano, über die Piazza Unità und hinauf zur Burg von San Giusto geht, erlebt eine auffallende architektonische Dualität. Unten liegt die Stadt der Aufklärung: rationale Raster, neoklassizistische Fassaden, der breite Kanal und die toleranten Glockentürme eines halben Dutzends Glaubensrichtungen. Oben thront die mittelalterliche Stadt: die geflickte Kathedrale, römische Ruinen und ein labyrinthisches Gewirr enger Gassen.

Dieser Kontrast ist nicht nur ästhetisch — er ist ideologisch. Der Hügel bewahrt, was Triest vor den Habsburgern war: eine kleine, geschlossene Grenzsiedlung, die nach innen blickte. Die flache Stadt darunter verkörpert das habsburgische Projekt: nach außen gewandt, kommerziell, pluralistisch und von Grund auf nach Prinzipien der Aufklärung entworfen.

Die Verwandlung, die Maria Theresia und Joseph II. im 18. Jahrhundert in Gang setzten, prägte Triests Identität für die kommenden Jahrhunderte. Der Freihafen, das Raster des Borgo Teresiano, der Kanal, die kosmopolitischen Gemeinschaften — das sind keine Relikte der Vergangenheit, sondern die lebendige DNA einer Stadt, die noch immer aufs Meer und die Welt dahinter blickt.

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