Der Bahnhof Triest Sant'Andrea war der erste Bahnhof der österreichischen Staatsbahnen (k.k. Staatsbahnen) in Triest, erbaut 1887 als Endstation der Eisenbahn durch das Val Rosandra (oder Erpelle-Bahn). Er befand sich am Fuß des Hügels von Sant'Andrea, auf einem durch Aufschüttung dem Meer abgewonnenem Gelände, etwa 700 Meter südöstlich des heutigen Bahnhofs Campo Marzio, im Bereich des heutigen Rangierbahnhofs.
Entstehung und strategischer Zweck
Der Bau des Bahnhofs entsprach zwei grundlegenden Bedürfnissen des Habsburgerreiches. Das erste war die Stärkung der Hafenanbindung Triests, deren Kapazitäten über den Hauptbahnhof der Südbahn allein nicht mehr erweiterbar waren. Das zweite, ebenso wichtige Ziel war es, das Monopol der Südbahn zu brechen: Die private Gesellschaft, die die Meridionale betrieb, verlangte überhöhte Tarife, die den Hafen benachteiligten, und der Staat beabsichtigte, unter staatlicher Verwaltung eine direkte Konkurrenz zu schaffen. Aus diesen Gründen wurde die Eisenbahn durch das Val Rosandra von Anfang an von den k.k. Staatsbahnen betrieben, und Sant'Andrea wurde zur ersten Einrichtung der österreichischen Staatsbahnen in Triest.
Die Eisenbahnanlage
Der ursprüngliche Bahnhof war eine bescheidene, aber funktionale Anlage, ausgestattet mit:
- sechs Gleisen, die sich zwischen den idealen Verlängerungen der heutigen Via Murat und der Werkstätte erstreckten;
- einem Empfangsgebäude;
- einem kleinen Lokomotivdepot;
- einem Güterschuppen.
Trotz seiner begrenzten Größe wurde Sant'Andrea rasch zu einem wichtigen Knotenpunkt. Am 5. Juli 1887 wurde die Rivabahn eingeweiht — eine Verbindungsstrecke, die den Bahnhof entlang der Uferpromenaden mit dem Freihafen verband, im Straßenniveau mit einer Höchstgeschwindigkeit von nur 6 km/h. Im Jahr 1902 kam die berühmte Parenzana hinzu, eine Schmalspurbahn nach Capodistria, Buie und Parenzo: Ihr Schmalspurgleis begann direkt in Sant'Andrea.
Erweiterung und Abriss
Mit der Eröffnung des Suezkanals (1869) und dem daraus folgenden Anstieg des Seeverkehrs wurde der Bedarf an einer direkteren Verbindung zwischen Triest und Mitteleuropa drängend. Ein Gesetz vom 6. Juni 1901 genehmigte das Projekt der Transalpina-Eisenbahn, und der kleine Bahnhof Sant'Andrea erreichte rasch seine Kapazitätsgrenze. Sein Abriss wurde beschlossen, und etwa 700 Meter weiter nördlich, Richtung Ufer, entstand ein neuer imposanter Kopfbahnhof nach dem Entwurf des Architekten Robert Seelig: der Triest Staatsbahnhof, eingeweiht am 19. Juli 1906, der 1923 in Trieste Campo Marzio umbenannt wurde.
Im Bereich des alten Sant'Andrea wurde ein ausgedehnter Rangierbahnhof mit 24 Gleisen angelegt, ein Güterbahnhof mit zwei Lagerhäusern sowie Betriebsinfrastruktur, die den Namen Trieste Campo Marzio Smistamento erhielt — bis heute als Güterbahnhof in Betrieb.
Historisches Erbe
Vom ursprünglichen Bahnhof Sant'Andrea ist heute keine sichtbare Spur mehr vorhanden: Das Gebäude wurde abgerissen und das Gelände vollständig umgestaltet. Dennoch war seine historische Rolle entscheidend: Er stellte die erste konkrete Herausforderung des Südbahn-Monopols dar, ebnete den Weg für den Bau der Transalpina und des monumentalen Jugendstil-Bahnhofs, der ihn ersetzte, und markierte den Beginn der Präsenz der österreichischen Staatsbahnen in Triest — ein grundlegender Wendepunkt in der Eisenbahngeschichte der Stadt und des gesamten Österreichischen Küstenlandes.