Rive e Palazzo delle Generali
Wirtschaft und Handel

Die Geschichte der Versicherungen in Triest: Generali, RAS und der habsburgische Kapitalismus

Triest war die Wiege der europäischen Versicherungswirtschaft. Von den Assicurazioni Generali über die RAS bis zum Lloyd Adriatico prägten Triester Gesellschaften die Finanzen des Habsburgerreiches und hinterließen Prachtbauten, die das Stadtbild bis heute bestimmen.

Die Geschichte der Versicherungen in Triest ist untrennbar mit dem Aufstieg der Stadt zum großen Hafen des Habsburgerreiches verbunden. Als Kaiser Karl VI. im Jahr 1719 den Freihafenstatus gewährte, setzte er eine Entwicklung in Gang, die eine bescheidene Adriastadt in einen der wichtigsten Handelskreuzwege Europas verwandeln sollte. In diesem fruchtbaren Boden — wo Handelskapital auf Seerisiko traf — fand die Versicherungswirtschaft ihre ideale Wiege.

Die Geburt der Assicurazioni Generali

Am 26. Dezember 1831 gründete der Unternehmer Giuseppe Lazzaro Morpurgo die Assicurazioni Generali Austro-Italiche mit einem Grundkapital von zwei Millionen österreichischen Gulden — zehnmal höher als die durchschnittliche Ausstattung zeitgenössischer Versicherungsgesellschaften. Der Name selbst war ein Programm: „Generali" verkündete den Anspruch, alle Versicherungssparten abzudecken.

Die Gesellschaft führte eine einzigartige Doppelstruktur ein: eine Zentraldirektion in Triest für die habsburgischen Gebiete und internationale Märkte, und eine venezianische Direktion für die italienische Halbinsel. Jede trug ihr eigenes Emblem — den Doppeladler in Triest, den geflügelten Markuslöwen in Venedig. Nach den revolutionären Umwälzungen von 1848 strich die Gesellschaft diskret „Austro-Italiche" aus ihrem Namen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigte Generali weltweit über 16.000 Mitarbeiter, davon mehr als 300 allein in der Triester Zentrale. 1907 trat ein junger Angestellter namens Franz Kafka der Prager Filiale bei — fasziniert von der kosmopolitischen Aura Triests, lernte er Italienisch in der Hoffnung auf eine nie verwirklichte Versetzung.

RAS: Die sieben Jahre später geborene Rivalin

Die Riunione Adriatica di Sicurtà wurde am 9. Mai 1838 als Tochtergesellschaft der Adriatico Banco di Assicurazioni gegründet, die ihrerseits 1826 in Triest von Angelo Giannichesi aus Zakynthos ins Leben gerufen worden war. Mit einem Startkapital von 1,5 Millionen Gulden expandierte die RAS mit bemerkenswerter Geschwindigkeit: Innerhalb von sechs Monaten nach der Gründung bestanden bereits Agenturen in Wien, Athen, Venedig, Prag, Budapest und Ljubljana.

Arnoldo Frigessi di Rattalma, der die Gesellschaft durch die turbulenten Zwischenkriegsjahre führte, musste seine Position aufgrund der faschistischen Rassengesetze aufgeben — ein schmerzliches Schicksal, das er mit Generali-Präsident Edgardo Morpurgo teilte, der nach Argentinien ins Exil ging.

Lloyd Adriatico: Der Letzte einer Triester Tradition

Am 28. März 1936 von Ugo Irneri mit einem bescheidenen Kapital von 20.000 Lire gegründet, begann der Lloyd Adriatico sein Dasein in einem kleinen Büro an der Piazza Tommaseo 4. 1964 lancierte die Gesellschaft die innovative „polizza quattroruote" — eine Kfz-Police mit Selbstbeteiligung, die Millionen Kunden gewann.

Die Protagonisten der Triester Versicherungsepoche

Die Versicherungsbranche zog bemerkenswerte Persönlichkeiten an. Pasquale Revoltella (1795–1869), ein gebürtiger Venezianer, stieg vom Holzhändler zu einem der Hauptaktionäre der Generali auf und wurde Verwaltungsrat des Lloyd Austriaco. Als Vizepräsident der Compagnie Universelle du Canal de Suez setzte er sich leidenschaftlich für ein Projekt ein, das Triests Position als globale Handelsdrehscheibe festigen sollte.

Firmensitze als Denkmäler: Wenn Kapital Architektur wird

Triests Versicherungsgesellschaften häuften nicht nur Reichtum an — sie meißelten ihn in Stein und Marmor in das Stadtbild.

  • Palazzo Geiringer (1883–1884), entworfen von Ingenieur Eugenio Geiringer und Architekt Luigi Zabeo, wurde zur Hauptniederlassung der Generali im Borgo Teresiano — das erste Gebäude Triests mit durchgängiger elektrischer Beleuchtung und Zentralheizung.
  • Palazzo della RAS (1910–1913), entworfen von den Brüdern Ruggero und Arduino Berlam, erhob sich an der Piazza della Repubblica als Meisterwerk des Späteklektizismus. Bei den Aushubarbeiten 1911 wurde ein römisches Mosaik freigelegt, das heute im Eingangsbereich originalgetreu wiedergegeben ist.
  • Palazzo Berlam (1926–1928), ebenfalls von Arduino Berlam, war Triests erster Wolkenkratzer — ein 50 Meter hoher, neunstöckiger Turm aus rotem Backstein, inspiriert von der New Yorker Architektur. 1932 von Generali erworben, beherbergt er heute die internationale Ausbildungsakademie des Konzerns.

Kriege, Rassengesetze und der Übergang zu Italien

Das Ende des Ersten Weltkriegs 1918 brachte Triest unter italienische Souveränität. Die faschistischen Rassengesetze von 1938 trafen die jüdische Führung beider Gesellschaften schwer. 1947 verlegte die RAS ihren Sitz nach Mailand und beendete damit ein Jahrhundert Triester Führung.

Ein lebendiges Erbe

Heute zählt Generali mit über 88.000 Mitarbeitern zu den weltweit größten Versicherungs- und Vermögensverwaltungskonzernen — mit Wurzeln fest in Triest verankert. RAS und Lloyd Adriatico wurden am 1. Oktober 2007 in die deutsche Allianz eingegliedert. Doch ihre Bauten überdauern, und im Politeama Rossetti trägt der Hauptsaal noch immer den Namen Sala Assicurazioni Generali.

In diesen Palästen aus Stein und Ehrgeiz bewahrt Triest die Erinnerung an eine Epoche, in der eine kleine Adriastadt es wagte, die Welt zu versichern.

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