Persönlichkeiten und Kultur

Die Pioniere der Fotografie in Triest: Daguerreotypien, Ateliers und Dynastien des 19. Jahrhunderts

Von der ersten Daguerreotypie 1839 bis zu den Ateliers an der Piazza della Borsa: die Geschichte der Fotopioniere von Triest, vom Studio des Österreichischen Lloyd bis zur Wulz-Dynastie und den ersten Fotografinnen.

Als sich 1839 die Nachricht von Louis Daguerres Erfindung in Europa verbreitete, waren wenige Städte besser darauf vorbereitet als Triest. Der große Adriahafen des Habsburgerreiches war ein Knotenpunkt von Kaufleuten, Optikern, Chemikern und reisenden Künstlern: genau jene Mischung aus Kapital, Technik und Neugier, die die neue Kunst des "Zeichnens mit Licht" brauchte. Die Geschichte der Fotografie in Triest ist daher weit mehr als eine Lokalchronik — sie spiegelt den Aufstieg eines kosmopolitischen Bürgertums, das sich porträtieren lassen wollte, und einer Stadt, die erinnert werden wollte.

Die Pioniere der Daguerreotypie: Triest 1839

Triest erfuhr erstaunlich früh von der Daguerreotypie. Am 21. März 1839 beschrieb die Zeitung L'Osservatore Triestino die Verfahren von Daguerres Erfindung, Monate vor ihrer offiziellen Vorstellung in Paris. Im November desselben Jahres kündigte der Optiker Giovanni Mollo (1799-1883) an, dass Daguerres Apparate in seinem Geschäft am Corso erhältlich seien.

Die ersten dokumentierten Experimente folgten fast sofort. Am 20. November 1839 fertigte Carlo Antonio Fontana (1809-1886), ein wohlhabender Amateur, die ersten Daguerreotypien der Stadt an. Der Schriftsteller Francesco Dall'Ongaro berichtete am 24. November 1839 in der Zeitschrift La Favilla über diese Experimente. Bis 1842 wandte sich Fontana dem Porträt zu und schuf ein Selbstporträt sowie ein Bildnis seiner Frau Adele Reisden.

Wilhelm Engel und das Atelier des Österreichischen Lloyd

Zur Institution wurde die Fotografie in Triest dank einer Schifffahrtsgesellschaft. Im März 1854 gründete die Dritte Sektion des Österreichischen Lloyd — seine literarisch-künstlerische Abteilung — ein fotografisches Etablissement und vertraute es dem deutschen Fotografen Wilhelm Engel (1824-1891) an. Die erste Anzeige des Photographischen Ateliers des Oesterreichischen Lloyd erschien am 1. April 1855 in Il Diavoletto; 1857 zog das Studio in die prestigeträchtigen Räume des Tergesteo neben der Börse.

Engel spezialisierte sich auf bürgerliche Porträts von bemerkenswerter Qualität. Im Juli 1859 verließ er den Lloyd, um ein eigenes Studio in der via dei Forni zu eröffnen, wo er eine ganze Generation von Fotografen ausbildete:

  • Giuseppe Wulz, Begründer der größten Fotografendynastie der Stadt
  • Luigi Boccalini, Wulz' erster Geschäftspartner
  • Francesco Schwarzbeck und Giovanni Ortolani, später selbst Meister ihres Fachs

Sebastianutti & Benque, eine Partnerschaft mit Goldmedaillen

Die Geschichte des international bekanntesten Studios von Triest beginnt mit einem Uhrmacher auf der Suche nach einem Neuanfang. Guglielmo Sebastianutti (1824-1881) suchte nach kommerziellen Fehlschlägen einen ausländischen Partner für die Fotografie. Die Antwort kam aus Ludwigslust: Franz "Francesco" Benque (1841-1921) traf 1864 in Triest ein, und ein Studio öffnete in der via dell'Annunziata 11. Am 30. September 1867 unterzeichneten beide einen zehnjährigen Gesellschaftsvertrag.

Die Partnerschaft war turbulent — sie zerbrach 1869, als Benque nach Hamburg und später nach Brasilien ging —, wurde aber 1879 als Sebastianutti & Benque neu gegründet und sammelte internationale Goldmedaillen und kaiserliche Anerkennungen. 1887 zog das Studio an seinen berühmten Sitz an der Piazza della Borsa, und 1888 gelang Benque eine technische Meisterleistung: die Fotografie der dunklen Höhlen von San Canziano (Škocjan) bei Kunstlicht.

Die Fotografen der jüdischen Gemeinde

Triests tolerante Handelsatmosphäre zog jüdische Fotografen aus allen habsburgischen Ländern an. Leopold Goldstein (1819-1894), in Galizien geboren, eröffnete im November 1864 sein "Neues Fotografisches Studio" am Corso. Sein Sohn Giuseppe Mayer Goldstein (1848-1930) wurde einer der bedeutendsten Fotografen der östlichen Adria: 1875 schuf er mit, was als erste Fotoreportage der kroatischen Geschichte gilt — die Dokumentation der Dalmatienreise Kaiser Franz Josephs.

Edmund Lichtenstern (1840-1895), ein Maler-Fotograf aus Budapest, der in Wien gearbeitet hatte, eröffnete sein Studio am Corso im September 1863; der Corriere israelitico lobte ihn 1864 als "einen der fähigsten und angesehensten Fotografen Wiens". Der in Triest geborene Antonio Lindehmer (1838-1873) vervollständigte diese Gruppe und arbeitete ab 1864 mit Goldstein zusammen.

Weibliche Blicke: die Pionierinnen der Triester Fotografie

Die Fotografie war einer der ersten modernen Berufe, in denen Frauen Unternehmerinnen werden konnten. Anna Scrinzi, ab 1865 Inhaberin des Studios "Al Progresso" am Corso, spezialisierte sich auf Stadtansichten: Allein 1870 produzierte ihr Studio 18 der 24 Hafenansichten in den Katalogen der Städtischen Museen.

Emilia Manenizza (1853-1905) kam 1881 aus Venedig, um das historische Atelier Rottmayer zu übernehmen. Ab 1895 führte sie das Studio allein — eine Seltenheit im damaligen Europa — und verlegte es an die Piazza della Borsa. 1904 wurde das Studio zusammen mit Francesco Penco (1871-1950), ihrem ehemaligen Lehrling und späteren Ehemann, das erste in Triest, das bei elektrischem Licht fotografierte: Die Werbung der Zeit rühmte zwei Lampen zu je 1.500 Kerzen, während die Zeitung L'Indipendente, die die nächtlichen Fotositzungen am 5. September 1904 ankündigte, von elektrischen Reflektoren mit über 2.000 Kerzen sprach.

Giuseppe Wulz und die Geburt einer Dynastie

Kein Name verkörpert die Triester Fotografie wie Wulz. Giuseppe Wulz (1843-1918), geboren in Cave del Predil bei Tarvis, kam als Kind nach Triest, lernte in Engels Studio und wurde dort 1866, nach abgeschlossener Lehre, als Gehilfe angestellt. Nach dem Weggang des Meisters 1868 eröffnete er mit Luigi Boccalini das Studio "Allievi di G. Engel" an der Piazza della Borsa 10. 1874 erhielt er die eigene Lizenz, und 1891 weihte er ein prestigeträchtiges "Studio für fotografische Kunst" im obersten Stock des Palazzo Hierschel am Corso ein.

Wulz fotografierte die Verwandlung der Stadt — den Hafen im Bau, die neuen Boulevards, die Gesellschaftsporträts — und gab das Handwerk an seinen Sohn Carlo Wulz weiter, dann an seine Enkelinnen Wanda und Marion Wulz, die das Atelier tief ins 20. Jahrhundert führten. Das Wulz-Archiv, heute bei der Fondazione Alinari, bleibt eine der vollständigsten visuellen Chroniken einer europäischen Stadt.

Ein in Silber gedrucktes Erbe

Daguerreotypien, Cartes de visite, Glasplatten: Die Pioniere der Fotografie gaben Triest etwas Seltenes — ein kontinuierliches visuelles Gedächtnis seit 1839. Ihre Bilder zeigen nicht nur Gebäude und Gesichter; sie dokumentieren eine Hafenstadt, die ihre moderne Identität erfindet. Wer heute über die Piazza della Borsa oder den Corso geht, geht durch die Bilder von Engel, Wulz, Benque, Scrinzi und Manenizza: die Menschen, die Triest lehrten, sich selbst zu betrachten.

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