Pasquale Revoltella und sein Museum: das Mäzenatentum, das Triest die erste Galerie für moderne Kunst Italiens schenkte
Vom Testament des Barons Pasquale Revoltella bis zur Museumsgründung 1872: die Geschichte eines visionären Mäzenatentums, das einen Privatpalast in die älteste Galerie für moderne Kunst Italiens verwandelte – bis zum Umbau von Carlo Scarpa.
Zwischen den Palästen des Borgo Giuseppino, wenige Schritte vom Meer entfernt, steht das Gebäude, das den Geist des Triest im 19. Jahrhundert am besten verkörpert: das Museo Revoltella. Es ist nicht nur eine Galerie für moderne Kunst — es ist das Vermächtnis eines Mannes, Baron Pasquale Revoltella, der entschied, dass sein Vermögen, sein Haus und seine Sammlungen für immer der Stadt gehören sollten, die ihn reich gemacht hatte.
Von bescheidenen Anfängen zur Finanzmacht
Pasquale Revoltella wurde am 16. Juni 1795 in Venedig als Sohn eines Fleischers geboren. Früh verwaist und mit einfacher Bildung, zog er als Junge nach Triest, um sein Glück zu suchen. Die Stadt, seit 1719 Freihafen des Habsburgerreiches, war damals ein boomendes Handelszentrum, offen für Kaufleute jeder Nationalität und Konfession.
Nach einer Lehrzeit im Handelshaus von Théodore Necker gründete Revoltella 1835 eine eigene Firma für den Import von Holz und Getreide. Der Erfolg kam schnell. Die Gewinne flossen in die großen Unternehmen der Stadt: Er wurde einer der ersten Aktionäre der Assicurazioni Generali und ab 1838 Verwaltungsrat des Österreichischen Lloyd.
Die Vision von Suez
Revoltella begriff früher als viele andere, dass Triests Zukunft von einem noch nicht gegrabenen Kanal abhing: Suez. Eine direkte Route nach Asien würde den Adriahafen zum natürlichen Tor Mitteleuropas zum Orient machen. Er setzte Kapital, Diplomatie und persönliches Ansehen für das Projekt von Ferdinand de Lesseps ein und wurde Vizepräsident der Universalen Suezkanal-Gesellschaft.
1861-62 reiste er nach Ägypten, um die Baustellen zu besichtigen — eine Reise, die im Album Voyage en Égypte dokumentiert ist. 1867 verlieh ihm Kaiser Franz Joseph den Baronstitel. Er starb am 8. September 1869, nur Wochen vor der Einweihung des Kanals.
Ein Testament für die Ewigkeit
Das Herzstück von Revoltellas Mäzenatentum ist sein eigenhändiges Testament vom 13. Oktober 1866. Er hinterließ der Stadt Triest seinen Palast mit allen Kunstwerken, Möbeln und Büchern, seine Landvilla und eine Stiftung mit präzisem Zweck: ein Kapital von 100.000 Gulden, dessen jährliche Zinsen auf ewig für den Ankauf von Kunstwerken bestimmt waren — ausgewählt von einem Kuratorium, das der Stadtrat ernennen sollte.
Der Palast selbst war ein Manifest. Erbaut zwischen 1853 und 1858 an der damaligen Piazza Giuseppina (heute Piazza Venezia), wurde er vom Berliner Architekten Friedrich Hitzig entworfen — eine ungewöhnliche Wahl für einen Triester Privatmann und ein Zeichen der europäischen Horizonte des Barons.
1872 eröffnete die Gemeinde das Museo Revoltella: die älteste Galerie Italiens, die eigens der modernen Kunst gewidmet ist. Aus derselben testamentarischen Verfügung entstand eine Handelshochschule, die später zur Grundlage der Universität Triest wurde.
Das Kuratorium und die internationalen Ausstellungen
Vier Jahrzehnte lang folgte das Kuratorium gewissenhaft den Anweisungen des Stifters und gab die jährlichen Erträge — zwischen 10.000 und 20.000 Gulden — für Kunst aus. Im Durchschnitt kamen jedes Jahr vier bis fünf Werke in die Sammlung; bis 1914 waren rund zweihundert neue Stücke hinzugekommen.
Die wichtigsten Ankäufe erfolgten fern der Heimat:
- Auf der Internationalen Ausstellung in München 1892 erwarb die Delegation die Marina von Böhme, Nach der Erstkommunion von Carl Frithjof Smith und Morgen an der Giudecca von Guglielmo Ciardi, bald gefolgt von Luigi Nonos Ave Maria.
- Ab der ersten Biennale von Venedig 1895 — mit dem Ankauf von La derelitta von Domenico Trentacoste — wurde die venezianische Ausstellung zum wichtigsten Erwerbskanal.
- Auf der Internationalen Ausstellung in Rom 1911 sicherte Präsident Aristide Costellos Werke von Antonio Mancini und Ignacio Zuloaga.
- Auf der Biennale von 1914 kam das Meisterwerk: Dame mit Hund von Giuseppe De Nittis.
Nicht jedes Urteil war fehlerfrei: 1890 ließ sich das Kuratorium Segantinis Pflügen im Engadin entgehen — eine der großen verpassten Gelegenheiten der Museumsgeschichte.
Das 20. Jahrhundert: Brunner, Scarpa und die moderne Galerie
Die Sammlung wuchs bald über den Palast hinaus. 1907 kaufte die Gemeinde den angrenzenden Palazzo Brunner, der jedoch erst Jahrzehnte später voll verfügbar wurde. 1963 wurde der Umbau dem venezianischen Architekten Carlo Scarpa anvertraut, der die Außenmauern intakt ließ und das Innere radikal neu erfand.
Die mehrfach unterbrochenen Arbeiten, fortgeführt von Franco Vattolo und Giampaolo Bartoli, endeten erst 1991. Am 13. Juni 1992 wurde das Museum mit der Ausstellung Von Canova bis Burri wiedereröffnet, mit rund 350 Werken.
Revoltellas Erbe heute
Heute umfasst das Museum drei Gebäude — Palazzo Revoltella, Palazzo Brunner und Palazzo Basevi — einen ganzen Häuserblock mit etwa 4.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf sechs Etagen. Die Sammlung des 20. Jahrhunderts umfasst Casorati, Sironi, Carrà, Morandi, De Chirico, Manzù, Marini, Fontana und Burri.
Die doppelte Seele des Museums — herrschaftliche Residenz unten, moderne Galerie oben — ist das wahrste Porträt seines Gründers: ein Selfmademan mit Blick auf Europa, der privaten Reichtum in eine öffentliche Institution verwandelte, die noch heute Jahr für Jahr wächst, genau wie es sein Testament vorschrieb.