Inaugurazione Tram Trieste-Barcola Piazza della Libertà
Verkehr und Mobilität

Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Triest: vom Omnibus zur elektrischen Tram

Vom ersten Pferdeomnibus 1860 bis zur letzten Fahrt der Tramlinie 9 im Jahr 1970: über ein Jahrhundert öffentlicher Nahverkehr in Triest zwischen Pferdetram, Elektrifizierung, Obus und Autobus.

Es gab eine Zeit, in der man Triest in einer von Pferden gezogenen Kutsche durchquerte, ein paar Soldi zahlte und hoffte, dass das Pflaster gnädig war. Die Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Triest ist eine Geschichte des Pioniergeists: Die Stadt erhielt ihre Pferdetram ein Jahr nach Paris und vor Rom, Bologna und Mailand, und die elektrische Straßenbahn vier Jahre vor Bologna. Verfolgen wir mehr als ein Jahrhundert städtischer Mobilität, vom Omnibus von 1860 bis zur allerletzten Tram im Jahr 1970.

Vom Omnibus zur Pferdetram: die Anfänge (1860-1899)

Die erste Form des öffentlichen Verkehrs erschien 1860: Kutschen, im Winter geschlossen (Omnibus genannt), im Sommer offen (die sogenannten Giardiniere), betrieben von privaten Unternehmern. Die allererste Linie verband den Stadtgarten mit der Badeanstalt Österreicher am Ende der via del Lazzaretto Vecchio. Eine Fahrt kostete vier bis fünf Soldi, weit günstiger als eine Mietkutsche. Unter den Betreibern dominierte die Firma Cimadori & Vitturelli mit ihren eleganten achtsitzigen Wagen.

Mit dem Wachstum der Stadt — 125.000 Einwohner im Jahr 1875 — wuchs der Bedarf an Schienenverkehr. Nach jahrelangen Debatten wurde am frühen Morgen des 30. März 1876 die erste Pferdetramlinie zwischen dem Boschetto und dem Palazzo Rittmeyer eröffnet: ein Jahr nach Paris, ein Jahr vor Rom und Bologna, sechs Jahre vor Mailand.

Betreiberin war die Società Triestina Tramway (STT), eine Gesellschaft mit belgischem Kapital, auch bekannt als Triester Tramway Gesellschaft. Ihre Wagen hatten zwei Klassen — erste Klasse zehn Soldi, zweite fünf —, fuhren alle fünfzehn Minuten und hatten keine festen Haltestellen: Die Fahrgäste winkten dem Kutscher einfach zu. Im Jahr 1900, dem Höhepunkt des Pferdenetzes, erreichten die Linien:

  • Barcola, entlang der Küste im Nordwesten
  • Barriera Vecchia und piazza Giuseppina (heute piazza Venezia)
  • den Punto Franco und das Bagno Fontana
  • die beiden Bahnhöfe Südbahnhof und Sant'Andrea

Im Sommer erinnerten die offenen Wagen, bei Regen mit Planen verhängt, die Triestiner an Kriegsschiffe: Sie tauften sie torpediniere, Torpedoboote.

Die elektrische Revolution (1900)

Am Abend des 3. Oktober 1900, um sechs Uhr, eröffnete die STT die erste elektrifizierte Linie vom Boschetto nach Barcola. Der Zeitpunkt war ein Geniestreich der Werbung: Die hell erleuchteten Wagen verblüfften die Menge in der Herbstdämmerung. Um 18.15 Uhr verließen drei Züge das neue Depot in der via Margherita und erreichten Barcola in achtundzwanzig Minuten. Unter den Honoratioren waren Filippo Artelli, Präsident der STT, und Ingenieur Wigny, Bauleiter.

Den Dienst versahen sechzig neue Triebwagen der Wiener Firma Union, olivgrün und cremefarben lackiert. Das Netz hatte Normalspur (1.445 mm) und fuhr mit 600 Volt Gleichstrom. Die alten Pferdewagen verschwanden nicht: Viele wurden zu Beiwagen der neuen elektrischen Trams umgebaut. 1902 eröffnete auch die berühmte Straßenbahn nach Opicina — eine Ingenieursleistung zur Überwindung des Karstplateaus, die eine eigene Geschichte verdient.

Die Gemeinde greift ein: die „Graz"-Linie und der Große Krieg

Das frühe zwanzigste Jahrhundert brachte einen erbitterten politischen Kampf. Die sozialistische Opposition prangerte die Privilegien der privaten STT an und forderte die Kommunalisierung. Der Gemeinderat beschloss, eigene Linien zu bauen; die STT klagte, und der Streit zog sich bis zum 19. Mai 1910 hin, als der Oberste Gerichtshof in Wien zugunsten der Gemeinde entschied.

Am 7. Juni 1913 nahm die erste kommunale Linie von der piazza Goldoni nach San Sabba den Betrieb auf, gebaut von der deutschen AEG, mit zwölf luxuriösen Wagen vom Typ „Graz" in Rot, Gold und Elfenbein der Grazer Waggonfabrik — angeblich die ersten Trams mit elektrischer Heizung, ursprünglich von Sankt Petersburg bestellt und nie abgeholt. Im selben Jahr wurde die letzte Pferdetram auf der Linie zum Punto Franco eingestellt.

Der Erste Weltkrieg brachte alles zum Stillstand. Am 23. Mai 1915 beschlagnahmten die Militärbehörden die kupfernen Oberleitungen; die Stadt kehrte vorübergehend zur Pferdetraktion zurück, später zu Eisendrähten, die Funken auf die Straßen sprühten.

Die öffentliche Ära: Tranvie Municipali, ACEGAT und der Gummi

Am 1. Januar 1921, nach dem Rückkauf des Netzes von der STT, gründete die Gemeinde die Azienda Comunale Tranvie Municipali. Die zwanziger Jahre waren Jahre der Modernisierung: 52 neue Triebwagen kamen von den italienischen Herstellern Bagnara, Savigliano und Casaralta.

1934 wurden alle städtischen Betriebe zur ACEGAT (Elektrizität, Gas, Wasser und Straßenbahnen) zusammengeschlossen. Es war auch das letzte Jahr, in dem der Nahverkehr mit Gewinn abschloss. Auf den steilsten Strecken kamen neue Technologien: 1934 die erste Dieselbuslinie, am 30. März 1935 die erste Obuslinie, Nummer 12, die Linea dei Colli, von der piazza Goldoni nach Campo Marzio über den Hügel von San Vito. Der Obus war leiser, steigfähiger und fuhr — entscheidend im autarkischen Klima des faschistischen Regimes — mit Strom statt importiertem Diesel. 1936 maß das Tramnetz noch 41,7 km, gegen 19,8 km Buslinien und 3,1 km Obusstrecken.

Der Zweite Weltkrieg traf das System hart: verdunkelte Scheinwerfer mit weißen Streifen (baffi, „Schnurrbärte") an den Tramfronten, Frauen und ältere Männer als Ersatz für eingezogenes Personal und verheerende Luftangriffe 1944-1945, die die Zentralwerkstatt am Broletto zerstörten.

Die Dämmerung der Schiene (1946-1975)

Auf den Wiederaufbau, anfangs von der Alliierten Militärregierung unterstützt, folgte das goldene Zeitalter des Obusses: 1952 eröffnete die Überlandlinie 20 nach Muggia für die neue Industriezone von Zaule. Doch das private Auto und die neuen Vororte besiegelten das Schicksal des starren Tramnetzes. Linie 3 schloss 1966, Linie 8 1968, Linie 6 am 30. Dezember 1969.

Am 31. März 1970 um 21.05 Uhr absolvierte die Tram Nummer 9 von Campi Elisi nach San Giovanni die letzte städtische Tramfahrt in der Geschichte Triests. Die Obusse überlebten nur fünf Jahre länger: Am 12. April 1975 wurde die Linie 19 vom Hauptbahnhof zum piazzale Umberto Cagni eingestellt.

Das Erbe

1977 gingen die Verkehrsbetriebe der ACEGAT in der Azienda Consorziale Trasporti (ACT) auf, deren Aktivitäten 2001 an die heutige Trieste Trasporti übergingen. Vom gesamten Schienennetz überlebt nur die Straßenbahn nach Opicina — ein lebendes Denkmal jener Epoche, in der Triest Pionier des öffentlichen Verkehrs war. Wer heute die Busse die Hügel der Stadt erklimmen sieht, sollte sich erinnern: Diese Geschichte begann mit achtsitzigen Kutschen, zwei Pferden und einer Glocke.

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