Roiano

Historische Karte - Trieste

Roiano

Roiano (slowenisch Rojan) ist ein historisches Stadtviertel von Triest in einem abfallenden Tal, das als Val Martinaga bekannt ist — eingerahmt vom Karstrand von Opicina (Opčine), den Hügeln von Gretta (oder Greta) und Terstenico/Trstenik (heute Monte Radio) sowie dem Hügel von Scorcola zur Innenstadt hin.

Der Name des Stadtviertels

Der Ortsname — Roian im Triestiner Dialekt, Rojan auf Slowenisch — geht nach der verbreitetsten Deutung auf die roje zurück, die Wasserläufe, die das Tal durchzogen und über Jahrhunderte seine Mühlen und Werkstätten antrieben. Ein Ursprung, der im Wasser geschrieben steht: demselben Wasser, das in den Namen der Weiler und Bäche des Viertels wiederkehrt.

Mittelalterliche Ursprünge und frühe Entwicklung

Die ersten urkundlichen Erwähnungen von Roiano stammen aus dem Mittelalter, auch wenn ländliche Siedlungen vermutlich schon früher bestanden. Eine der ältesten materiellen Spuren der Gegend ist die dem heiligen Petrus geweihte Kapelle mittelalterlichen Ursprungs, die von der Kontinuität des Wohnens und des religiösen Lebens zeugt.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts blieb Roiano ein ländliches Dorf, deutlich von der Stadt getrennt, geprägt von Gärten, Weinbergen und Mühlen entlang der Bäche. Bei der Zählung von 1804 wurden 47 Häuser und rund 100 Einwohner verzeichnet; bereits 1810 hatten sie sich auf über 100 Häuser und 200 Einwohner verdoppelt. Das Gebiet gliederte sich in mehrere Weiler:

Durchzogen wurden sie von vier Bächen, die für die lokale Wirtschaft von grundlegender Bedeutung waren und an die heute der Name der Piazza tra i Rivi (Platz zwischen den Bächen) erinnert:

Die Scala Santa und die historischen Wege

Der Weiler Scala Santa verdankt seinen Namen dem steilen Anstieg, der von Roiano über den Karstrand bis zum Obelisken von Opicina hinaufführt: rund zwei Kilometer Rampen und Kehren mit über 300 Metern Höhenunterschied. Bis 1780 war sie die einzige Straße, die Triest mit Opicina verband — auf der Karte von 1822 ist sie als Strada d'Opchina verzeichnet — und wurde täglich von den Bauern der Hochfläche genutzt, die ihre Erzeugnisse in der Stadt verkauften, bevor die Fahrstraßen des 19. Jahrhunderts die Zugänge zur Stadt neu ordneten. Die Achse der Via di Roiano, die vom Viertel zum Zentrum hinabführt, ist bis heute das wirtschaftliche Rückgrat des Stadtteils.

Gretta und das Val di Gretta

Zum Meer hin grenzt Roiano an Gretta, eine historische Ortschaft auf dem gleichnamigen Hügel mit Blick auf den Golf, zwischen dem Viertel und Barcola. Am Ufer von Gretta entstand 1768-69 das Lazarett Santa Teresa, die Quarantänestation des habsburgischen Hafens, während sich auf der Kuppe des Hügels der Siegesleuchtturm (Faro della Vittoria) erhebt, eingeweiht 1927 nach einem Entwurf von Arduino Berlam auf den Anlagen des österreichischen Forts Kressich (1854). Das Val di Gretta hinter dem Hügel bewahrt den grünen, hügeligen Charakter, der einst die gesamte Landschaft von Roiano prägte.

Die Habsburgerzeit

In der Habsburgerzeit erlebte Roiano eine bedeutende bauliche und demografische Expansion, verbunden mit dem Aufstieg Triests zur Hafen- und Industriestadt. Die Volksschule Emo Tarabocchia, gegründet 1867, war eine der ersten städtischen Schulen des Viertels und bot zweisprachige Klassen in Italienisch und Slowenisch an — ein Spiegel der multiethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung.

Zu den bedeutendsten Vorhaben der Epoche zählt der Bau der Kirche von Roiano, der Pfarrkirche der Heiligen Hermagoras und Fortunatus, den Märtyrern von Aquileia geweiht. Das Projekt wurde 1856 im Auftrag der Stadt Triest begonnen, unter Mitwirkung der Architekten Francesco Catolla und Giuseppe Bernardi. Der Bau gestaltete sich wegen des Zusammenflusses von vier Bächen schwierig; 1862 wurde die Kirche von Bischof Bartolomeo Legat geweiht. Der Bau über lateinischem Kreuz ist bis heute ein architektonisches Wahrzeichen des Viertels.

Nachkriegszeit und gesellschaftlicher Wandel

Nach dem Ersten Weltkrieg war Roiano Schauplatz bedeutender politischer und gesellschaftlicher Ereignisse. 1934 wurde eine Strafanstalt errichtet, die während des faschistischen Regimes auch zur Inhaftierung politischer Gegner diente. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude in die heutige Mittelschule Guido Brunner (vormals Berufsvorbereitungsschule) umgewandelt — ein Zeugnis der Spannungen und des Widerstands, die das Viertel während des Faschismus und in der unmittelbaren Nachkriegszeit prägten.

Identität des Viertels

Wenige Stadtviertel von Triest bewahren eine so starke Identität wie Roiano: «te son de Roian» („du bist aus Roiano") ist im Stadtdialekt bis heute eine Art, die Zugehörigkeit zum Viertel zu bekunden. Roiano spiegelt die historische und kulturelle Schichtung Triests wider — vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, vom ländlichen Dorf zum festen Bestandteil der Stadt, geprägt vom Zusammenleben italienischer und slowenischer Bevölkerung.

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